Arthur Benitz

Chefpilot der Bücker-Flugzeugbau GmbH

Der Förderverein Bücker-Museum Rangsdorf e.V. trauert um sein Ehrenmitglied Arthur Benitz. Am 15. April 2008 ist er im Kreise seiner Angehörigen, nach einem erfüllten Leben, im Alter von 98 Jahren verstorben.

Arthur Benitz, am 27. Juli 1909 in Elsenau östlich der Oder geboren, beendete1924 die Volkschule im brandenburgischen Liepe. Er erlernte von 1924 bis 1928 den Beruf eines Maschinenschlossers bei den Ardelt-Werken in Eberswalde. Danach arbeitete er in verschiedenen Betrieben in diesem Beruf, bevor er 1930 in Berlin ein Studium aufnahm, das Arthur Benitz 1933 als Werkmeister, Maschinenbaumeister und –techniker abschloss. Während des Studiums begann seine Liebe zum Flugsport, zunächst mit dem Segelflugzeugbau und dem Segelflug beim Deutschen Luftsport Verband Berlin. 1932 folgte in Berlin-Staaken die Motorflugausbildung. Nach Abschluss seines Studiums verblieb Arthur Benitz in Staaken und wurde bei der Erprobungsstelle des Reichsverbandes der deutschen Luftfahrtindustrie tätig. In den Jahren 1934 und 1935 wirkte er an der Verkehrsfliegerschule in Braunschweig. Am 9. März 1935 begann er seine Tätigkeit als Werkspilot bei der Bücker-Flugzeugbau GmbH in Berlin Johannistal. Das war noch, als dieses junge Schulflugzeugwerk in den Hallen des Ambi-Budd-Karosseriewerkes den Doppeldecker Bü 131 „Jungmann“ unter nicht ganz einfachen Bedingungen produzierte. Im Herbst zog er mit dem Betrieb und der noch relativ kleinen Bücker-Mitarbeiterschar in das neu erbaute Werk nach Rangsdorf. Hier übernahm er kurze Zeit später die Funktion des Chefpiloten und Leiters der Einfliegerei des Werkes; eine Aufgabe die er bis zur Arbeitseinstellung des Betriebes am 20. April 1945 ausübte. Gemeinsam mit den anderen Werkspiloten, so Josef Beier und Werner Ahlfeld, waren alle neuen Schul- und Sportflugzeuge einzufliegen. Das war nach dem Doppeldeckern Bü 131 „Jungmann“ und Bü 133 „Jungmeister“ vor allem in den letzten Kriegsjahren der Tiefdecker Bü 181 „Bestmann“. Viele Einsätze außerhalb Deutschlands wurden auch notwendig, um die Montage gelieferter Bücker-Flugzeuge zu leiten, diese an Ort und Stelle neu einzufliegen und zu übergeben. Zu den Aufgaben der Werkspiloten gehörte auch, im Ausland die Qualität der Bücker-Flugzeuge zu demonstrieren. Arthur Benitz war beispielsweise 1937/38 mit rund 25.000 Flugkilometern und 85 Flugtagen mit der Bü 133 „Jungmeister“ in Südamerika unterwegs. Weltweit großes Aufsehen erregte damals die zweimalige Überquerung der Anden mit dem einsitzigen, offenen Sportflugzeug, was zu begeisternden Berichten in der internationalen Presse führte.

Die Nachkriegsjahre sehen Arthur Benitz zunächst in einem Holzbearbeitungsbetrieb in Hamburg. Jedoch kehrte er 1949 wieder in die Flugzeugproduktion zurück. Ein Vertrag mit der ägyptischen Regierung führt ihn und vier weiter ehemalige Bücker-Mitarbeiter nach Kairo, um dort das erste Flugzeugwerk Afrikas für den Lizenzbau der Bü 181 „Bestmann“ aufzubauen. Nach umfangreichen Vorbereitungen kann 1952 die erste „Gomhouria“, wie der ägyptische Lizenzbau der Bü 181 „Bestmann“ nun heißt, zum Erstflug starten. Insgesamt 20 Jahre verbringt Arthur Benitz in Ägypten, fliegt erneut zahlreiche neue Flugzeuge ein und führt diese auch in anderen arabischen Staaten vor.

Nach seiner Heimkehr 1969 bleibt er mit der Luftfahrtindustrie verbunden und wird Prüftechniker für elektrohydraulische Flugsteuerungen in der Entwicklungsabteilung der Feinmechanischen Werke in Mainz. Unweit dieser Stadt, in Budenheim, verbrachte er seinen Ruhestand.

Arhur Benitz war Ehrenmitglied des Förderverein Bücker-Museum Rangsdorf e.V. und stand schon vor dessen Gründung mit dem Rangsdorfer Historiker Dr. Siegfried Wietstruk in engem Briefkontakt. Seine mitgeteilten Erinnerungen, die Überlassung von Materialien und die Beantwortung zahlreicher Fragen trugen nicht unwesentlich zur Gestaltung des Buches „Bücker-Flugzeugbau“ von Dr. Wietstruk bei. In den Jahren 2002 und 2004 besuchte Arthur Benitz Rangsdorf erneut um am Veteranentreffen der ehemaligen Bücker-Mitarbeiter teilzunehmen. Bei guter Gesundheit erfreute er sich am Wiedersehen mit seinen damaligen Kollegen. Er führte die Mitglieder des Fördervereins durch das Gelände und die Gebäude des früheren Bücker-Flugzeugwerkes und konnte mit vielen Details aus seiner Zeit bei der Firma Bücker-Flugzeugbau GmbH in Rangsdorf bei Berlin zur weiteren Gestaltung der Ausstellung des Bücker-Luftfahrt-Museums beitragen.

In ehrendem Gedenken wird das Rangsdorfer Museum an den Bücker-Chefpiloten und Leiter der Einfliegerei, dieser für die deutsche Luftfahrt so bedeutende Persönlichkeit und sehr angenehmen Menschen erinnern. Mit Arthur Benitz verlieren wir den letzten großen Zeitzeugen der Geschichte des Bücker-Flugzeugbaus.