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Luftreise wie in einer Zeitmaschine
 

Mit einem Oldtimer-Doppeldecker 300 Meter über dem Boden zu gondeln, hat etwas von einer Reise in einer Zeitmaschine, sagt der Bad Schallerbacher Josef Ecker. Von Beruf Flugkapitän eines Passagierjets, kostet er privat das Gefühl fliegerischer Langsamkeit aus.

Mit den "tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten" hat Eckers Hobby weniger zu tun. Er geht keine Risiken ein, wenn er mit einer seiner drei auf dem Flugplatz Wels stationierten, historischen Maschinen zu einem Oldtimer-Treffen oder einer Flugveranstaltung reist.

Zwei sorgfältig restaurierte, wunderschön herausgeputzte Einsitzer vom Typ "Bücker Jungmeister" und eine zweitsitzige Focke-Wulf Stieglitz stehen im "Stall" des ruhigen, besonnenen Oberösterreichers und warten darauf, möglichst alle zwei Wochen bewegt zu werden: Einfacher Kunstflug, Streckenflüge, längere Luftreisen ins Ausland.

Nur noch vier Stück

Ecker hat die beiden Jungmeister, die in den Jahren 1937 und 1938 als Sport- und Kunstflugmaschinen nahe Berlin gebaut worden waren, durch gute Kontakte zu anderen Flugbegeisterten aufgestöbert, gekauft und restauriert. Von diesem Typ gibt es in Österreich nur noch vier Stück, davon stehen drei im Oldtimer-Hangar in Wels. In ganz Europa schwirren noch 15 herum - echte Raritäten eben. Beide mussten sorgfältig hergerichtet werden, keine einfache Angelegenheit. Zwar lassen sich in Deutschland noch ein paar Ersatzteile auftreiben, das meiste muss aber von handwerklichen Könnern selbst gefertigt werden.

Die Doppeldecker sind in Mischbauweise konstruiert: Stahlrohr-Rumpf, Tragflächen aus Holz, alles mit spezieller Baumwolle bespannt und speziallackiert. Angetrieben von einem 160 PS starken Sieben-Zylinder-Sternmotor, der das 615 Kilo schwere Fluggerät mit 6,40 m Spannweite auf 180 Stundenkilometer Reisegeschwindigkeit bringt und Etappen von maximal 400 Kilometern ermöglicht. Dann muss eine Zwischenlandung her, möglichst auf Gras, weil alten Maschinen weichere Landungen besser tun.

Kundige Helfer

Josef Ecker hat Freunde, die sich mit Flugzeugrestaurierung auskennen: Den Welser Ernst Gruber etwa, der als gelernter Werkzeugmacher-Meister unschätzbare Fertigkeiten jeder Art beherrscht. Oder den Ernst Schobesberger aus St. Thomas bei Waizenkirchen, der alles über die Feinheiten einer Tragflächen-Bespannung im kleinen Finger hat.

Fliegen pur

"Mit der Bücker Jungmeister zu fliegen, das ist Luftfahrt pur. Navigiert wird wie dazumal mit Karte, Kompass und Uhr. Natürlich könnte man GPS einbauen, aber das würde die Spannung des Fliegens wegnehmen", schwört Ecker auf Ursprünglichkeit.
Gemütlich ist es, aber nicht immer bequem, gibt er zu: Schließlich sitzt er ja "open air" im Cockpit, angetan mit Haube, Brille und dicker Jacke. Unter 16 Grad Außentemperatur führt er seine Doppeldecker nicht spazieren, bei Regen auch nicht gern. Jede Leidenschaft hat schließlich ihre Grenzen. Aber das Fluggefühl, so sagt der Schallerbacher, dieses Gefühl ist durch nichts zu ersetzen: Feinfühlig, ausgeglichen, viel direkter ist die Steuerung, und das macht die Flugmanöver und das Reisen einfach schön. "Man fliegt 300 oder 600 Meter über Grund, und sofort gewinnt man Abstand vom Alltagsgeschehen." Es ist schon was dran an Reinhard Meys Lied von der grenzenlosen Freiheit, nur dass sie sich in diesem Fall nicht über, sondern unter den Wolken (im Idealfall ganz ohne Bewölkung) genießen lässt.

Es gibt auch so etwas wie ein weit geknüpftes Netzwerk von Oldtimer-Piloten. In Deutschland etwa die Gesellschaft zur Erhaltung historischer Luftfahrzeuge, in der Schweiz eine ähnliche Gruppierung. Diese Organisationen sind Informationsbörsen und Freundeszirkel zugleich.
Einen Fallschirm hat Ecker nur bei Kunstflügen an Bord, bisher war er mit seinen Maschinen (zu denen auch ein altes Segelflugzeug vom Typ Musger MG 19 gehört) ausnahmslos pannen- und unfallfrei unterwegs.

Dieser Beitrag von Herrn Meinhard Buzas erschien am 22.05.2004 in den und kann hier im Original nachgelesen werden. Wir bedanken uns recht herzlich bei den für die Genehmigung, diesen Artikel auf unserer Homepage veröffentlichen zu dürfen.

Wir möchten noch anmerken, dass Herr Josef Ecker Mitglied des Fördervereins Bücker-Museum Rangsdof e.V. ist.

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Hiermit sagen wir als Verein herzlichen Dank an Herrn Roman Kruglow und Herrn Waldemar Wassermann für die Bereitstellung der Fotos.


... und noch mehr Fotos der D-EQOA in der Übersicht: Fotogalerie Bü 133 Jungmeister Galerie 10-12

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