Zu Besuch bei Bücker-Piloten in der Schweiz

am 3./4. Dezember 2005

Sommer 2004. Unser Vereinsmitglied Andy Wegier aus der Schweiz hatte sich zu einem Besuch in Rangsdorf angemeldet. Ein echter Fachmann aus der Schweizer Bückerszene – das versprach ein interessanter Nachmittag zu werden. Beim Rundgang durch das Museum und die Ruinen des ehemaligen Bücker-Flugzeugwerkes berichtete Andy dann von den Vorbereitungen zu einem europäischen Bückertreffen in der Schweiz im Jahr 2009. Hierbei wurde mir schnell klar, der Mann weis wovon er redet. In Vorbereitung auf dieses Event werde man nun regelmäßig solche Treffen in Grenchen organisieren, beginnend 2005.

Sommer 2005. Andy und die anderen Organisatoren haben ein perfektes Bückertreffen über die Bühne gebracht und ich stehe mit ihm in Dauerkontakt. Warum? Wir waren verrückt genug, selbst ein solches Treffen auf dem alten Flugplatz in Rangsdorf durchzuführen. Und Andy organisierte die Beteiligung von Bücker Flugzeugen aus der Schweiz. Echte Hilfsbereitschaft und Loyalität bei der Vorbereitung des Treffens in Rangsdorf erreichte mich und uns aus der Schweiz. Und dann machte diesen symphatischen Teilnehmern das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Dezember 2005. Ich sitze im Airliner auf dem Flug von Berlin nach Zürich. Es gibt viel zu berichten vom Fly-In in Rangsdorf und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Andy Wegier und die Begegnung mit den anderen Bücker-Piloten, die sich im August auf den anstrengenden Weg nach Rangsdorf machen wollten.

Andy holt mich am Flughafen ab und wir gehen erst einmal frühstücken. Nicht irgendwo, sondern im Restaurant des Luftfahrtmuseums Dübendorf. Das war Überraschung Nr.1. Es folgten noch viele, ich hörte einfach irgendwann auf, mich ständig zu wundern. Hier wird Luftfahrttradition gelebt, ist ein Teil der Schweizer Nationalkultur. Warum funktioniert das nicht zu Hause?

Nach dem Rundgang durch das Museum geht die Fahrt weiter zum Flugplatz Birrfeld. Hier treffe ich auf die anderen Piloten August Beer und Albert Zeller. Auch Geri Mäder kommt kurz vorbei. Ich bin beeindruckt vom Interesse an Rangsdorf unserer Vereinstätigkeit und der Luftfahrtveranstaltung vom August. Ich habe natürlich Bilder und DVD’s dabei. Nun sitzen wir hier also in der Schweiz, eine Autostunde südwestlich von Zürich in einem urgemütlichen Flugplatzlokal und sehen uns den Bericht von Rangsdorf TV zum Bückertreffen an. Es ist kaum zu glauben.

August Beer berichtet von der Grundüberholung seines BÜ131 „Jungmann“ und Albert Zeller, stolzer Besitzer von 8! Bücker, erzählt mir ganz nebenbei, dass der Wiederaufbau des BÜ133 „Antares“ gut voran kommt und hat natürlich Bilder dabei. Andy amüsiert sich prächtig über meinen ungläubigen Gesichtsausdruck. Und das Wochenende hatte doch gerade erst begonnen. Was kommt da noch?

Zum Beispiel der Hangar des Flugplatzes. Schon aus der ferne hatte ich die Ryan PT22 von Geri Mäder entdeckt. Ein Teil des Hangars gehört Max Vogelsang. Und da dort ein „Jungmeister“ zu finden ist, müssen wir natürlich rein. Hier werden Flugzeuge gewartet. Um nicht wertvolle Werkstattfläche zu verschwenden hängt der BÜ133 in Gurten sicher in luftiger Höhe. Soll er geflogen werden, wird der Ausleger bei geöffnetem Hangartor nach draußen geschwenkt und das Flugzeug mittels elektrischer Seilwinde auf das Vorfeld herab gelassen.

Da Max Vogelsang nicht im Hangar sondern in seinem Betrieb war, machten wir uns auf den Weg dort hin. Angekommen in der großen Schreinerei fallen mir sofort Flugzeuge ins Auge. Hier werden Kunstflugzeuge vom Typ „Votec“ in Kleinserie gebaut. Zwei fertige Exemplare hatte ich schon im Hangar gesehen und erste nach genauer Betrachtung bemerkt, dass die Tragfläche komplett aus Holz gefertigt ist. Hier konnte man das alles im Rohbau bestaunen. Max ist auch Spezialist für die Instandsetzung von BÜ131 und BÜ133. Ein „Jungmann“ ist gerade in Arbeit. Dann durften wir in das „Lager“. Über eine Holztreppe ging es in abgelegene Räumlichkeiten des großen Betriebsgebäudes. Ich wollte mich nicht mehr wundern, aber was ich hier zu sehen bekam, ließ mir dann doch kurz den Atem stocken. Bückerteile wo man auch hinschaut. Der Mann muss wohl das Ersatzteillager der ehemaligen Schweizer Bückerproduktion aufgekauft haben. Um mal eben auch nachsehen zu können, liegt auf den sicherlich auch noch originalen Schubfachregalen ein BÜ131“Jungmann“ Ersatzteilkatalog, gedruckt in Rangsdorf! Max grient über das ganze Gesicht, als ich feststelle, dass so etwas bei uns in einer Museumsvitrine liegen würde. Wir dürfen uns umsehen, rumkramen und die Zeit vergeht wie im Fluge. Meine Schweizer Gastgeber beraten, wie man die Informationen über den Vorrat an Ersatzteilen zusammenführen kann, um die Szene schnell und effizient zu versorgen. Niemand „hockt“ hier auf seinem Zeug, man hilft sich gegenseitig, die Flugzeuge sind der Star, nicht die Besitzer. Ansichten mit Vorbildcharakter!

Der erste Tag neigt sich dem Ende. Wir verabschieden uns bei Max mit einem herzlichen Dankeschön. Albert und August machen sich ebenfalls auf den Heimweg. Wir sind unterwegs zu Andy’s Sonja und quatschen immer noch „Bücker“…

Der Abend war lang und nach dem Frühstück zieht es Andy und mich an die frische Luft. Er zeigt mir die „hüglige“ Gegend seiner Heimat, mit Blick auf die „richtigen“ Berge am Horizont. Tatsächlich handelt es sich hier um eine relativ flache Gegend für Schweizer Verhältnisse. Deshalb wird der Luftraum hier von der Patrouille Suisse zum Training genutzt. Schade, der 4.Dezember war kein solcher Tag. Wolkenuntergrenze 1500 ft AGL und Regen – egal.

Mit Sonja machen wir uns auf zu August Beer. Auf dem Weg liegt Grenchen und somit ist ein Zwischenstopp am dortigen Flugplatz selbstverständlich. Hier hatten sich also im Sommer all die Bücker eingefunden. Die Teilnehmerzahl war wirklich beeindruckend und zeugt vom hohen Organisationsgrad und Stellenwert der Veranstaltung. Andy hatte uns telefonisch angemeldet und somit konnten wir auch dem Kollegen auf dem Tower Guten Tag sagen. Ein wirklich schöner Flugplatz ist das, hier sollte man gewesen sein.

Nun ging es weiter zu August Beer. Dass der Mann mit viel Fachwissen, Erfahrung und Geduld seinen „Jungmann“ grundüberholt, war mir klar. Welchen Aufwand er dabei betreibt, muss man aber dann doch gesehen haben. Perfektion bis in das letzte Detail ist hier die Basis der Herangehensweise. Über 3500 Stunden stehen bereits im Arbeitsbuch. Zur Flugsaison 2006 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Der Flieger ist schon wieder vollständig eingetucht – Spannlackgeruch lag in der Luft. Über 25 Jahre ist dieser BÜ131 bereits der treue Partner von „Gusti“ und hat ihn nie im Stich gelassen. Daher hat er sich diese Behandlung allemal verdient, wird mir erklärt. August, ich denke der HB-UUT wird Dir das nicht vergessen.

Rundum zufrieden, mit den Erlebnissen eines unglaublichen Wochenendes saß ich am Abend wieder im Flugzeug zurück nach Berlin. Andy hat Recht. Wir müssen die Kontakte innerhalb der „Bückerianer“ organisieren und pflegen. Es wird immer schwieriger mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen, also sollten wir zusammen den vorhandenen Wissensstand austauschen und somit erhalten. Genial wäre die Schaffung einer internen Datenbank über alle noch vorhandenen Flugzeuge aus dem Hause Bücker. Das würde der Kommunikation untereinander dienen und den Veranstaltern eines Bücker – Luftfahrttreffens die Arbeit erheblich erleichtern. Es gibt eine große Einigkeit, dass unser Verein die Adresse einer solchen Datenbank sein sollte. Grundsätzlich steht dem nichts im Wege, aber personell stoßen wir hier an unsere Grenzen. Deshalb hier meine Frage. Welches Vereinsmitglied hat die nötige Fachkenntnis und die Bereitschaft, eine solche Datenbank zu erstellen und zu pflegen? Es wäre eine interessante Aufgabe.

Vielen Dank an Euch in der Schweiz, bis hoffentlich bald!

Ralf Gaida
Flugleiter Fly-In Rangsdorf 2005