Flugzeug Classic

Mit freundlicher Genehmigung der Flugzeug Classic, Ausgabe 11/2005

   

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Übungs-, Kurier- und Verbindungsflugzeug
Bücker Bü 181 „Bestmann“
 

 

 

Der letzte Serien-Flugzeugtyp der Bücker-Werke war die Bü 181. Hauptsächlich bei der Luftwaffe für die Anfängerschulung eingesetzt, wofür sie sich aufgrund ihrer nebeneinander liegenden Sitze sehr gut eignete, löste sie ab 1940 die früheren Bücker-Typen ab.

VON PETER VV COHAUSZ.

Bild vergrössernÜber 4500 Exemplare des beliebten, kunstflugtauglichen Übungs-, Kurier- und Verbindungsflugzeugs mit dem 105 PS Hirth HM 504 sind bei Bücker und bei anderen Herstellern für die Luftwaffe gebaut worden. Lizenzbauten entstanden in Schweden bei Hägglund & Söner (120 Bü 181 B-1 als Skolflygplan Sk 25) und in der Tschechoslowakei (180 Zlin Z 381).

Bild vergrössernIn beiden Ländern waren die Bestmänner noch lange nach dem Krieg sowohl im zivilen als auch im militärischen Einsatz. Weitere Halter waren die schweizerische Fliegertruppe und die Royal Air Force, die bis 1947 zahlreiche Bü 181 als Verbindungsflugzeuge verwendete. Von der CSSR aus wurde die Lizenz 1950 an Ägypten weitergegeben. Die staatlichen Flugzeugwerke in Heliopolis bauten die Bü 181 viele Jahre als „Gomhouria" mit einem 145 PS Continental-Motor in Serie. Über 200 Stück sind in sechs Versionen gebaut worden, wovon auch Exporte in verschiedene afrikanische Staaten gegangen sind.

Bild vergrössern1955 wurde in der Bundesrepublik die Luftfahrt wieder zugelassen. Zur gleichen Zeit hatten die Schweden ihre Bestmänner gerade ausgemustert. Eine Hamburger Firma kaufte die schwedischen Bü 181 günstig auf und ließ die Maschinen überholen. Dadurch bot sich vielen Flugbegeisterten die Chance, günstig zu einem Flugzeug zu kommen, und somit wurde die Bü 181 zur Erstausstattung der deutschen Sportflieger nach dem Krieg.

Bild vergrössernHeute ist der Bestmann selten geworden, wird aber von Liebhabern noch gerne geflogen. Am längsten hat er sich in Ägypten im regulären Einsatz gehalten, wo die Gomhourias noch immer von der dortigen Luftwaffe zu Übungszwecken verwendet werden. Im August 1988 kamen dann die ersten ausgemusterten ägyptischen Bestmänner nach Deutschland.

Damit ist die Bü 181 einer der langlebigsten deutschen Typen und gleichzeitig das meistgebaute deutsche Leichtflugzeug überhaupt.

Mit insgesamt etwa 16 Stück haben allerdings nur relativ wenige originale Bü 181 bis heute überlebt. Hinzu kommen noch 17 schwedische, sieben tschechische und eine kleine Anzahl ägyptische Bü 181.

Bild vergrössernDie serienmäßige Ausstattung einer Bü 181 B-1 zeigt anschaulich die Zeichnung aus der Ersatzteilliste vom Oktober 1942. Die Instrumententafel ist dreiteilig gegliedert. Links befinden sich die Geräte für den Piloten und in der Mitte - von beiden Sitzen aus gut erreichbar - die Motorüberwachungs- und Bediengeräte. Rechts war bei den Schulmaschinen eine mit der linken Seite identische Flugüberwachungs-Instrumentierung eingebaut. Eine Funkanlage war in der Regel nicht vorhanden.

Bild vergrössernDer Anstrich der Kabine und der Gerätetafel war gemäß der RLM-Vorschrift mit dem Farbton Schwarzgrau 66. Die Lizenzbauten nach 1945 hatten in der Regel Anstriche nach den Vorgaben der sie jeweils nutzenden Luftstreitkräfte mit meist mattschwarzen Instrumententafeln.

Zur Erleichterung der Bedienung hatten viele deutsche Flugzeuge handschriftliche Hinweise auf dem Instrumentenbrett oder in der Kabine. So war bei manchen Bü 181 auf der linken Gerätetafel beim Flugzeugführer folgender Hinweis zu finden:

Vor und nach Kunstflug
Querruder
kontrollieren lassen.
Beim Rollen mit
Heckrad fest
Bremsen nicht betätigen.

Die Kabinen der Lizenzbauten entsprachen in der Auslegung im Wesentlichen den deutschen Bü 181. Bei den Instrumenten wurde jedoch auf eigene Produktion oder Importgeräte zurückgegriffen. Auch die Anordnung der Geräte konnte geringfügig variieren. Die schwedischen Bü 181 B-1 (Sk 25) von Hägglund & Söner hatten eine geänderte Unterteilung des Instrumentenbretts und ein Kombiinstrument für die Druck- und Temperaturanzeige des Motors. Auch war die Flugüberwachung mit Wendezeiger und Variometer reichhaltiger als die deutsche Ausstattung.

Bild vergrössernDie hier gezeigten Aufnahmen zeigen Instrumentierungen von einer Bü 181 C der Luftwaffe und von noch fliegenden Lizenzbauten. Während bei der Bü 181 C Restaurierung versucht wurde, den Zustand von 1944 wiederherzustellen, zeigen die anderen Bü 181 jeweils eine über viele Jahre fliegende Sport- und Reisemaschine. Hier entspricht die zumeist aus „internationalen" Geräten zusammengestellte Instrumentierung mehr den Vorlieben des Eigentümers, den Anforderungen eines heutigen Flugbetriebs oder der Verfügbarkeit von historischen Instrumenten.

Bild vergrössernFlugtechnisch noch brauchbare historische Instrumente sind heute oft schwierig zu bekommen und werden deshalb meist durch technisch passende ähnliche Geräte, ausländische oder moderne Instrumente ersetzt. Nur in wenigen Fällen bemühen sich die Eigentümer, für die ohnehin meist das Fliegen im Vordergrund steht, die Ausrüstung und die Bemalung historisch korrekt wiederherzustellen.

Quelle: Ersatzteilliste Bü 181, Oktober 1942

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Mit freundlicher Genehmigung des Flugzeug Classic, Ausgabe 11/2005

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