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FLUGZEUG CLASSIC SEP/OKT 2001

Rangsdorfer Trauerspiel
Wiederbelebung des Flugplatzes scheiterte am Ruhebedürfnis der Anlieger: Historischen Werksanlagen droht der endgültige Verfall

Sah es zu Jahresbeginn noch so aus, als würden schon bald wieder Jungmann-Doppeldecker im traditionellen Bücker-Werk in Rangsdorf gebaut werden, so wie in FLUGZEUG CLASSIC 3/01 berichtet, scheinen sich die Pläne dafür jetzt endgültig zerschlagen zu haben. Bestand zunächst der Eindruck, dass es in der Gemeinde angesichts der abgespeckten Pläne für einen reinen Werks- und Museumsverkehr kaum noch Widerstand gegen eine Wiedereröffnung des zuletzt von der Roten Armee genutzten Flugplatzes zu geben schien, haben letztendlich doch die Gegner des Bücker-Geländes gesiegt.
So fand das für Pfingsten geplante Oldtimertreffen bereits auf dem nahegelegenen Flugplatz Schönhagen statt. An dem aufstrebenden Verkehrslandeplatz soll jetzt auch die bisher noch in Polen beheimatete Bücker-Produktion angesiedelt werden. Um die Pläne der Interessen- gemeinschaft Denkmalgeschütztes Bücker-Gelände ist es zwischenzeitlich zu einem heftigen Politstreit in der Gemeinde am Südrand Berlins gekommen. Wie berichtet, sollte in die alte Einflughalle die erfolgreiche Produktion von Janusz Karasiewicz verlagert werden, der auf bisher stark beengten Raum in seiner polnischen Heimat die Bücker Bü 131 Jungmann mit modernem LOM-M332-Motor auf der Basis einer tschechischen Lizenz baut. In der Sonderbauhalle wollte ein auf die Restaurierung historischer Kraftfahrzeuge spezialisierter Betrieb sein neues Domizil finden.
Für das lange geplante Bücker-Museum war die Endmontagehalle ins Auge gefasst. Doch nach bekannt werden der ehrgeizigen Pläne, die der Gemeinde deutlichen Aufschwung gebracht hätten, regte sich der Widerstand aus Kreisen der Bevölkerung. lnsbesondere Neubürger waren es, die selbst bei dem Gedanken an vier(!) durchschnittliche Flüge pro Tag um ihre Ruhe fürchteten und auf die Barrikaden gingen. 90 Prozent der Rangsdorfer seien gegen den Flugplatz, hieß es gar bei einer Sitzung des örtlichen Bauausschusses. Die Auseinandersetzungen führten schließlich dazu, dass der bisherige Fraktionsvorsitzende des Unabhängigen Wählerbundes "Pro Rangsdorf', Flugplatzgegner Hans-Joachim Fetzer, seine Partei verließ und Bürgermeister Peter Gleich als Befürworter der Pläne aus der CDU austrat.
Erst als sich die Interessengemeinschaft und die beteiligten Firmen entnervt aus Rangsdorf verabschiedet hatten, hieß es dort, man hätte Kompromisse finden können. Mit den Flugplatzgegnern hätte man sicher einen Kompromiss finden können, doch die Unbeweglichkeit und das Desinteresse der Gemeindevertretung seien ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen, sagt IG-Sprecher Thomas Schüttoff.
Ein paar Kilometer weiter, am aufstrebenden Verkehrslandeplatz Schönhagen, der sich längst zum "Egelsbach des Ostens" entwickelt hat, wird man mit offenen Armen empfangen. In dem hier entstehenden Luftfahrt-Gewerbepark finden die Bücker-Produzenten nicht nur modernen Hallenplatz, sondern sparen auch noch eine Menge Geld. Denn hier sind keine Sanierungsarbeiten notwendig, müssen keine teuren Auflagen des Denkmal- und Landschaftsschutzes erfüllt werden.
So wurde ein Bücker-Museum - kombiniert mit einem europäischen Eissegelmuseum - jetzt außerhalb des Flugplatzgeländes im Seebad-Casino eröffnet (geöffnet mittwochs, sonnabends und sonntags von 13 bis 17 Uhr). Und das Oldtimertreffen zu Pfingsten fand bereits in Schönhagen statt. Zwar kam bei Dauerregen mit rund 50 Maschinen nur die Hälfte der erwarteten "fliegenden Kisten" zusammen und für Flugvorführungen fehlte die Genehmigung, doch wurde ein deutliches Zeichen gesetzt.
Bei Redaktionsschluss liefen die Endverhandlungen über die Ansiedlung der Jungmann-Produktion. Allein fünf Doppeldecker hat Reinhard Rötzer, Geschäftsführer der Bücker Flugzeugbau GmbH, auf der Aero in Friedrichshafen verkauft, zehn weitere Oldtimer-Freunde sicherten sich Optionen. Im nächsten Frühjahr könnte der Bau in Schönhagen beginnen. Rangsdorf hat das Nachsehen. Inzwischen gibt es Überlegungen, auf dem Bücker-Gelände einen Campingplatz anzusiedeln, aber auch hier befürchtet man schon wieder Proteste wegen möglicher Lärmbelästigungen. So werden die Rangsdorfer wohl weiter im Dornröschenschlaf den wirtschaftlichen Aufschwung verpassen, während den denkmalgeschützten Werksanlagen der weitere Verfall droht. Ein Trauerspiel.
Rainer W.During zurück

 
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