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Märkische Allgemeine Zeitung vom 03. Mai 2001
Nur der königliche Ritterorden fehlt
Das Bücker-Museum in Rangsdorf hat erstmals einen festen Platz gefunden
Etwas fehlt: Es ist der königlich-schwedische Schwertritterorden. Bekommen hat ihn Carl Clemens Bücker anno 1932 für seine Verdienste beim Aufbau der schwedischen Flugzeugproduktion. Das Original ist für eine öffentliche Ausstellung einfach zu wertvoll. Wenigstens gibt es eine Kopie. Sie gehört zu den rund 150 Exponaten aus allen Teilen Deutschlands, aus Schweden und aus der Ukraine, die im Bücker-Museum im Anbau des Rangsdorfer "Seebad-Casino" zu finden sind.
Voller Stolz zeigt Siegfried Wietstruk, der Historiker des Förder-Vereins, Modelle von Bücker-Maschinen, Ausweise ehemaliger Mitarbeiter; einen Miniaturnachbau der abgebrannten Einfliegerhalle oder etwa alte Flugzeugteile. Sie sind von ihm und anderen Vereinsmitgliedern in den vergangenen zehn Jahren in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen und restauriert worden. Zunächst hatte die Schau kein festes Domizil und wurde von 1995 bis heute 18mal als Tagesausstellung gezeigt, hinzu kamen ab 1996 längere Wanderausstellungen, zum Beispiel in Tempelhof, in Wünsdorf, in Dahme und in Jüterbog. Das ist jetzt anders. Seit Ende März befindet sich das Bücker-Museum gemeinsam mit dem Rangsdorfer Eissegel-Museum und einigen Tafeln zur Ortsgeschichte in dem Neubau des Casinos. Dort dürfen die beiden Fördervereine 15 Jahre mietfrei bleiben - ein Entgegenkommen der Eignerfamilie GIendenberg, die sich auf diese Art und Weise auch der Geschichte des Ortes zuwendet.
Dazu gehören das Flugzeugwerk von Carl Clemens Bücker ebenso wie der Flugplatz im Südwesten der Gemeinde. Bücker hat von 1935 bis Kriegsende in Rangsdorf Schul- und Sportflugzeuge gebaut, die Weltruhm erlangten und bis heute prominente Liebhaber finden: Elly Beinhorn ebenso wie Heinz Rühmann, Beate Uhse oder Reinhard Mey.
Rangsdorf war übrigens von 1939 bis 1940 Verkehrsflughafen von Berlin, später Fliegerhorst der Nazi-Luftwaffe. Stauffenberg startete 1944 von Rangsdorf aus zum Hitler-Attentat in der Wolfschanze.
Zu dieser Zeit wurde bei Bücker für die Rüstung produziert. Ein Drittel der Belegschaft - 550 Männer und Frauen - war damals Zwangsarbeiter aus Russland und der Ukraine.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben die sowjetischen Besatzungstruppen den Flugplatz und die Bücker-Hallen genutzt. Hier waren eine Instandsetzungseinheit für Triebwerke von Hubschraubern und Flugzeugen sowie eine Nachrichteneinheit stationiert. Seit dem Abzug der russischen Truppen im Jahre 1994 verfällt das inzwischen teilweise denkmalgeschützte Gelände. Zwar landeten Ostern 2000 wieder zwei Bücker-Nachbauten in Rangsdorf, doch zu der geplanten Ansiedlung einer Bücker-Manufaktur ist es bis dato nicht gekommen. Aus allen diesen Zeitabschnitten finden sich im Museum ganz verschiedene Zeugnisse. Ein beeindruckendes Beispiel: Der Brief von Nikolai Kutschinow. Er bittet um den Nachweis für seine Geburt 1944 im Ostarbeiterlager der Rangsdorfer Bücker-Werke.
Wer sich für das Bücker-Museum interessiert, ist Mittwoch, Sonnabend und Sonntag von 13 bis 17 Uhr willkommen. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwei Mark, für Kinder eine Mark. Mehr Informationen vorab gibt es auch unter www.buecker-museum.de.
 
Ann-Christin Maempel, Petra Kühn, Andrea Rach, Marianne Wilde Foto / zurück
 
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