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Märkische Allgemeine Zeitung vom 03. Juli 2001

Sportflieger, Schlachtflugzeuge und geheime Missionen
Die Geschichte des Rangsdorfer Flugplatzes 1935 bis 1945 / Neues Buch des Historikers Siegfried Wietstruk liegt jetzt vor

RANGSDORF • Wussten Sie, dass 1940 von Rangsdorf aus internationale Linienflüge starteten und warum der Schauspieler Heinz Rühmann als angeblicher Flieger der Kurierstaffel 110 eingesetzt wurde? Welche geheimen Missionen führte die deutsche Luftwaffe mit Beuteflugzeugen während des zweiten Weltkrieges von hier aus durch und was veranstalteten die russischen Streitkräfte ab 1945 hinter den verschlossenen Toren des Flugplatzes?
Auf alle diese Fragen weiß Siegfried Wietstruk Antwort, Historiker und Luftfahrtexperte aus Rangsdorf, bereits als Autor eines Buches über den Bücker-Flugzeugbau bekannt. Über ein Jahrzehnt lang hat er
recherchiert, Materialien gesammelt, Archive und Bibliotheken gesichtet und an Stellen, wo Unterlagen vernichtet worden waren oder der Geheimhaltung unterlagen, Zeitzeugen gefunden, die halfen, die Geschichte des Flugplatzes zu rekonstruieren.
Von den ersten Planungen des Frühjahrs 1935 für den Flughafen, die Sportflugschule, den Aero-Club und das Bücker-Flugzeugwerk bis zum Abzug der GUS-Streitkräfte 1994 und den Überlegungen zur zukünftigen Nutzung reicht die Zeitspanne: Zu den Olympischen Spielen 1936 fertig gestellt, war der Flugplatz Rangsdorf Veranstaltungsort für Kunstflugvorführungen, beherbergte die Reichssportfliegerschule und entwickelte sich zum beliebten Tummelplatz für prominente Freizeitflieger wie Elli Beinhorn, Beate Uhse oder eben auch Heinz Rühmann. Nach 1939 zunächst Ersatzverkehrsflughafen von Berlin, verwandelte sich der bisherige Sportflugplatz im zweiten Weltkrieg in einen Fliegerhorst der deutschen Luftwaffe. Von hier aus starteten die Kurierflüge der Staffel 110 und geheime Missionen zur Luftaufklärung und zum Absetzen von Spionen hinter den feindlichen Linien. Aber auch Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg machte sich im Juli 1944 auf den Weg zur Operation" Walküre", dem gescheiterten Attentat auf Hitler. Am 22. April 1945 nahm die Rote Armee den Flugplatz ein und blieb bis zum Abzug 1994. Eine Instandsetzungseinheit und ein Nachrichtenregiment der 16. Luftarmee war hier samt Familien in zum Teil neu gebauten Unterkünften untergebracht. Bis heute steht die Entscheidung über die Nutzung des denkmalgeschützten, fortschreitend verfallenden Geländes noch aus.
Siegfried Wietstruk ist es gelungen, aus einer Vielzahl von Informationen zu Personen, geschichtlichen Daten und Abläufen ein teilweise sehr detailliertes, aber trotzdem gut lesbares, zeitweise sogar spannendes Buch zusammenzustellen. Entstanden ist damit eine überwiegend beschreibende, in der Kritik insgesamt eher zurückhaltende Chronik des Rangsdorfer Flugplatzes, die trotz der schwierigen Quellenlage mit ihrer Materialfülle vor allem für die Jahre 1935 bis 1945 beeindruckt. zahlreiche historische Fotos, Dokumente und technische Unterlagen zu Flugzeugen, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und Zeittafeln machen den Band zu einem interessanten und sehr informativen Beitrag zur Rangsdorfer und deutschen Luftfahrtgeschichte.
Siegfried Wietstruk: Flugplatz Rangsdorf bei Berlin: von Rühmann bis Morosow. Berlin: Verlag GVE 2001. ISBN 3-89218-D13-X. DM 16,80. zurück

 
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