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Märkische Allgemeine Zeitung vom 07. März 2002

Der Schauspieler und Fliegernarr wäre heute 100 Jahre alt geworden
Rühmanns "Motte" stand in Rangsdorf

Rangsdorf • Vor nunmehr einem Jahrhundert wurde im Ruhrgebiet Heinz Rühmann geboren, der vor allem als Filmschauspieler bekannt wurde. An dieser Stelle soll jedoch nicht an den Schauspieler erinnert werden, sondern vielmehr an den Flieger Heinz Rühmann, der bereits mit etwa zehn Jahren Modellflugzeuge im Kleinformat zu basteln begann und von den echten Flugzeugen angezogen und begeistert wurde.
Im Jahre 1931, nachdem er erste Erfolge auf der Bühne und beim Film feiern konnte, ermöglichten es ihm seine Gagen, nicht nur ein Motorrad und ein Auto zu besitzen, sondern auch seinen Flugzeugtraum zu verwirklichen. Eine zweisitzige Klemm L 25, ein Tiefdecker mit einem 40-PS-Salmson-Sternmotor, wurde sein erstes Sportflugzeug. Da er neben den Dreharbeiten für die Filme auch im Deutschen Theater in Berlin und in den Kammerspielen in München spielte, legte er diese Strecken oftmals mit dem Flugzeug zurück.
Nachdem im Sommer 1936 der Rangsdorfer Reichssportflughafen eröffnet worden war und Heinz Rühmann sich in Berlin auf einem großen Grundstück Am kleinen Wannsee 15 ein Haus bauen ließ, wurde Berlin der neue Wohnort und Rangsdorf für den Schauspieler die fliegerische Heimat. Hier stationierte er, wie beispielsweise auch Elly Beinhorn und Ernst Udet, sein Flugzeug. Hier ging er im Bücker-Flugzeugwerk ein und aus. Hier war er Gast im Aero-Club-Haus am See.
In Rangsdorf hatte Heinz Rühmann im Herbst 1940 auch eine Mission der NS-Propaganda zu erfüllen, über die er in seinem Buch "Das war's" schrieb: "Ich musste mich zu Filmaufnahmen zur Verfügung stellen, die zeigten, wie ich in Luftwaffenkombination mit Feldwebelrangabzeichen in ein Flugzeug stieg. Die Aufnahme wurde an einem Vormittag in Rangsdorf bei Berlin gedreht. Später sah ich sie in einer Wochenschau, und die markige Stimme des Sprechers verkündete, dass auch Heinz Rühmann als Kurierflieger seine Pflicht für Führer, Volk und Vaterland erfülle . . . Möglicherweise ist diese gestellte Wochenschau-Aufnahme daran Schuld, dass mich viele Jahre die Gerüchte verfolgten, ich sei Luftwaffenoffizier gewesen." Tatsächlich stieg Rühmann in eine Me 108 "Taifun" und damit in die Luft, gefilmt aus einem zweiten Flugzeug, um angeblich als Kurier nach Brüssel zu fliegen, landete aber nach wenigen Minuten bereits wieder. Gerhard Stoppe, damals Soldat bei dem Bodenpersonal der in Rangsdorf stationierten Kurierstaffel 110 des Oberkommandos des Heeres (OKH) konnte von Rühmanns Einsatz an diesem Tag einige Aufnahmen machen. Bei dieser Gelegenheit soll auf das Gerücht eingegangen werden, der Film "Quax der Bruchpilot" sei in Rangsdorf gedreht worden. Das stimmt nicht. Der Film entstand am Chiemsee in Bayern.
Heinz Rühmann hatte als Privatpilot das Privileg, auch nach Kriegsausbruch im Gegensatz zu den meisten Sportfliegern sein Flugzeug fliegen zu dürfen. Das verdankte er den seit 1932 geknüpften freundschaftlichen Beziehungen zu dem erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkrieges, Ernst Udet, der von Hermann Göhring ins Reichsluftfahrtministerium geholt wurde und zum Generalluftzeugmeister avancierte. Mit Udet verbrachte Heinz Rühmann nicht nur so manchen feuchtfröhlichen Abend, Udet ließ Rühmann auch mit seiner Maschine fliegen, wie ein zeitgenössischer Bericht mitteilte: "Heinz Rühmann, dem am 20. April vom Führer der Titel 'Staatsschauspieler' verliehen wurde, ist - wie allgemein bekannt - nicht nur ein Freund des Filmhimmels, er ist ein ebenso begeisterter Freund des Flugsports. Allwöchentlich ist er auf dem Flugplatz Rangsdorf bei Berlin anzutreffen, wo sein eigenes Flugzeug, 'Motte' genannt, seinen Standplatz hat. Als unser Bildberichterstatter ihn kürzlich draußen in Rangsdorf besuchte, war er gerade im Begriff, mit dem Flugzeug seines Sportkameraden General Udet einen Erkundungsflug zu unternehmen."
Über Ernst Udet wurde, wie Fred Sellin in seinem kürzlich erschienenen Buch "Ich brech' die Herzen . . . das Leben des Heinz Rühmann" als Ergebnis seiner Forschung ausführte, der fliegende Schauspieler mit Admiral Wilhelm Canaris, dem Chef des militärischen Geheimdienstes, der Abwehr, und Major Friedrich Großkopf bekannt. Kurierflüge für die Abwehr verhalfen ihm dazu, auch in Kriegszeiten fliegen zu können. Canaris und Udet schützten Rühmann auch vor der Einberufung zur Wehrmacht, indem sie ihn zu einer Grundausbildung zur Technischen Kompanie in der Luftwaffenerprobungsstelle Rechlin holten. Auch hier erhielt Rühmann die Gelegenheit zu fliegen. Danach ging seine Filmarbeit weiter.
Mit dem Kriegsende war zunächst auch die Fliegerei beendet. Heinz Rühmann nutzte jedoch die Gelegenheit, einige Jahre später in der Schweiz wieder seinem liebsten Hobby nachzugehen. Schließlich flog er auch wieder in Deutschland, in der Bundesrepublik, während Rangsdorf nunmehr für ihn nicht mehr zugänglich war. Hier flogen bis in die fünfziger Jahre nur noch Flugzeuge und später Hubschrauber mit dem roten Stern. Mit 82 Jahren steuerte Heinz Rühmann letztmalig ein Flugzeug.
In seinen Erinnerungen "Das war's" hat er Rangsdorf lediglich im Zusammenhang mit dem angeblichen Kurierflug nach Brüssel erwähnt. Ein Schreiben von mir an ihn einige Jahre vor seinem Tode blieb unbeantwortet, schade. Behalten wir trotzdem den fliegenden Schauspieler in seiner Widersprüchlichkeit in guter Erinnerung. zurück

weiterführende Links zu Heinz Rühmann: www.biplanes.de, Heinz Rühmann Gedenkseite

 
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