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Märkische Allgemeine Zeitung vom 10. März 2001

Auch historische Flugtage abgeblasen
Bücker-Interessenten und Gemeinde Rangsdorf beschuldigen sich gegenseitig

Rangsdorf • Der Förderverein Bücker-Museum Rangsdorf hat die zu Pfingsten geplanten "Historischen Sportflugtage" abgesagt. Vorsitzender Knuth Hentzschel: "Die Veranstaltung sollte Werbung für die Wiederbelebung des Bücker-Flugzeugbaus in Rangsdorf sein. Wir bedauern, dass die Gemeinde kein Interesse daran hat."
Die Gemeinschaft "Denkmalgeschütztes Bücker-Gelände" hatte am Donnerstag erklärt, alle Aktivitäten in Rangsdorf einzustellen und ihre Projekte in Schönhagen zu realisieren. Das gilt auch für die Rangsdorfer Firma Fahrzeugrestaurierung Rosenow, die sich auf dem Bücker-Areal ansiedeln wollte.
Interessengemeinschaft und Gemeinde schieben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern des Vorhabens zu und werfen einander Passivität vor. Während die Bücker-Interessenten behaupten, dass sie hingehalten worden seien und der Bürgermeister ihren Konzept-Entwurf vom Oktober 2000 den Abgeordneten nicht zur Kenntnis gegeben habe, heißt es in einer Erklärung der Gemeinde: "Die Interessenten haben für ihr eigenes Projekt trotz konkreter Aufforderungen und Zusagen keine entscheidungsfähigen Unterlagen und Konzepte eingereicht."
In der mit allen Fraktionen abgestimmten Mitteilung wird kritisiert, dass erst am 5. Februar ein Papier eingegangen sei, das aber den Erwartungen an ein Gesamtkonzept nicht entsprochen habe. Auf ein Positionspapier des Bürgermeisters, der unter anderem die Einhaltung von jährlich 50 bis 60 Flugtagen und das Abwickeln von Besuchs- und Trainingsflügen ausschließlich in Schönhagen forderte, sei keine Reaktion erfolgt.
Bürgermeister Gleich sagte gestern der MAZ: "Bis vor wenigen Tagen glaubte ich noch, dass wir einen Kompromiss finden. Der Stil der Interessengemeinschaft enttäuscht mich. Bei Konflikten sollte man zuerst mit dem Verhandlungspartner reden, nicht mit der Presse. Alle Gemeindevertreter sind brüskiert, die Brücken sind abgebrochen."
Doris Reiff von der Bürgerinitiative "Für Rangsdorf ohne Flugplatz" ist erleichtert: "Selbst mit vertraglicher Vereinbarung über eine konkrete Zahl der Flüge wäre unsicher, ob die Zusagen später eingehalten worden wären. Unsere BI ist bemüht, bei der Suche nach Investoren für die Konversionsfläche zu helfen."

Verspielt
GUDRUN SCHNECK (MAZ)

Rangsdorf • Die unwiederbringliche Chance, das Rangsdorfer Flugzeugbau-Erbe für die Entwicklung der Gemeinde zu nutzen, ist verspielt. Die Bücker-Interessengemeinschaft zieht sich aus Rangsdorf zurück und schwenkt um nach Schönhagen, wo man sie mit offenen Armen empfängt. Das Tragische daran: Trotz Bürgerinitiative gegen ein Sonderflugfeld hatte sich in einer inoffiziellen Probeabstimmung die Mehrheit des Gemeinderates zur Ansiedlung der Oldtimer-Flugzeugwerft bekannt. Die Interessengemeinschaft warf zu rasch die Flinte ins Korn und verhielt sich nicht sehr diplomatisch. Man muss ihr zugute halten, dass sie kein professioneller Investor ist, sondern eine Gruppe ehrenamtlicher Enthusiasten - von der Idee beseelt, die Flugzeugbautradition in Rangsdorf fortzusetzen. Das hat die Gemeinde nicht berücksichtigt. Allzu amateurhaft kann das Konzept jedoch nicht sein, da sich schon drei weitere ansiedlungswillige Firmen und ein Druckmaschinen-Museum bei den Bücker-Leuten meldeten. Auch die Brandenburgische Bodengesellschaft und die Investitionsbank des Landes Brandenburg boten Hilfe an.
Nun steht zu befürchten, dass die denkmalgeschützten Hallen in Rangsdorf verfallen. Ein Investor ist nicht in Sicht.

Zum Flugplatz Rangsdorf und den finanziellen Aussichten für die Gemeinde:
Nur unsichere 30.000 Mark auf der einen Seite (Leserpost)

Die Diskussion über Pro und Contra zum Flugplatz Rangdorf bewegte in den letzten Wochen die Gemüter in Rangsdorf. Viele Befürworter sehen finanzielle Vorteile für die Gemeinde, so auch Gelder unter anderem für Straßen- und Wegebau. Ich versuche nun, die finanziellen Auswirkungen auf die Gemeinde darzustellen. Da das Konzept der Interessengemeinschaft denkmalgeschütztes Bücker-Gelände nur wenig Konkretes aussagt, sind mir Vergleiche mit ähnlichen Investitionen dann erlaubt. Die Berechnungen beruhen auf den aktuellen Regelungen und Gesetzen.
Die zusätzlichen Einnahmen für die Gemeinde kommen im Wesentlichen aus der Gewerbeertragssteuer und damit aus dem Gewinn der Unternehmen: Die im Konzept dargestellte Anzahl der Starts und voraussichtliche Anzahl der Landungen lassen für den Flugplatzbetrieb keinen Gewinn erwarten. Erfahrungen von anderen Flugplätzen mit wesentlich mehr Flugbetrieb legen diesen Schluss nahe.
Für die Bücker Flugzeugbau GmbH erscheint ein Gewinn nach den ersten beiden Jahren wahrscheinlich. Eine auf Erfahrungswerten beruhende Berechnung ergibt für die ersten fünf Jahre durchschnittliche Gewerbeertragssteuereinnahmen für die Gemeinde von etwas über 2000 Mark pro Jahr.
Weitere neue Betriebe sind im Konzept nicht benannt. Die fiktiv angegebene Zahl von 200 Arbeitnehmern könnte bei Realisierung zu einer durchschnittlichen jährlichen Einnahme für die Gemeinde von zirka 150 000 Mark führen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die jetzige Haupteinnahmequelle der Kommunen in Form von sogenannten Schlüsselzuweisungen, so auch in Rangsdorf. Hier werden bei zusätzlichen Einnahmen, zum Beispiel in Form von Gewerbeertragssteuer, 80 Prozent verrechnet. Konkret heißt dies, dass von möglichen 150 000 Mark Gewerbeertragssteuer 120 000 Mark weniger Schlüsselzuweisungen vom Land kommen. In der Summe ergibt dies 30.000 Mark zusätzliche Gelder im Säckel der Gemeinde.
Eine weitere wichtige Grundlage für die Schlüsselzuweisungen sind die Einwohner. Je Einwohner werden knapp 1000 Mark pro Jahr vom Land gezahlt. Als Risiko des Flugplatzes sehe ich die geplante Wohnbaumaßnahme mit gut 900 Einwohnern in der Nähe des Flugplatzes an. Bei Nicht- Realisierung und damit fehlendem Einwohnerzuwachs verliert die Gemeinde also höhere Schlüsselzuweisungen vom Land in Höhe von zirka 900 000 Mark pro Jahr.
Insgesamt stehen also nach diesen Berechnungen an zusätzlichen Einnahmen für die Gemeinde unsichere 30 000 Mark mit Flugplatz sehr wahrscheinlichen 900 000 Mark ohne Flugplatz pro Jahr gegenüber. Entscheiden Sie selbst.
Siegfried Wolf, Rangsdorf zurück

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