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Märkische Allgemeine Zeitung vom 10. September 2001

Der Hauch der Geschichte
Hunderte waren am Tag des offenen Denkmals auf dem Bücker-Gelände

Rangsdorf • In den fensterlosen oberen Räumen des Bunkers ist es dunkel, sehr dunkel. "Noch Wohnungen frei!", rief ein Witzbold denen zu, die gerade die beleuchtete Treppe heraufkamen. Um 10 Uhr waren gestern trotz des Regens schon viele unterwegs, um das ehemalige Gelände der Bücker-Flugzeugwerft Rangsdorf zu besichtigen.
Die Tour begann beim zugigen Verwaltungskarree. Auch die Kantine wirkte nicht gastlich. Weiter ging es in die 9113 Quadratmeter große Haupthalle, wo jeder Schritt auf dem glassplitterübersäten Boden knirscht. Bis 1938 lief hier die gesamte Flugzeugproduktion vom Schweißen der Rumpfskelette bis zum Motoreneinbau, liest der Besucher auf dem von Siegfried Wietstruk vom Bücker-Verein gefertigten Schild.
1994 verließen die russischen Militärs das bis dahin intakte Gelände, seit Mai werden die Gebäude entkernt. Die Sicherung sei vorrangig, meinte Heinz Bähr von der Brandenburgischen Bodengesellschaft, auch die Ausbesserung einiger Dächer. Warum, das sieht man in der Sonderhalle. Hier, wo in geheimer Produktion eine Gleitbombe hergestellt wurde, regnet es durch. Verhindert die Gewobag mit ihren Wohnungsbauplänen die weitere Nutzung? Die Besucher, viele aus der Umgebung, spekulieren. "Schade, dass es mit der Ansiedlung der polnischen Flugzeugbauer nicht geklappt hat", meinte ein älterer Herr aus Groß Machnow, dessen Vater hier noch gearbeitet hatte. Jetzt ärgert sich der Sohn über den Verfall. Auf dem Boden der Endmontagehalle wächst schon Moos.
Trotz des Wetters herrschte gestern gute Stimmung auf dem Gelände, dessen erste Öffnung seit dem August 1993 der Initiative des Unabhängigen Wählerbundes Pro Rangsdorf, der Brandenburgischen Bodengesellschaft und dem Bücker-Verein zu verdanken ist. 400 Besucher waren es bereits um 12 Uhr. Einige erhofften sich im Tower der Einfliegerhalle einen guten Blick auf die Bücker-Flugzeuge mit offenem Cockpit, die gegen 13 Uhr landeten. Über schmale Treppenstufen führte der Weg hoch, unter bröckelnder Farbe russische Zeitungen von 1989. Der Hauch der Geschichte weht auch hier, wo einst Motor und Haube der Flugzeuge vor der Zulassung durchgecheckt wurden.
Was wird aus dem Gelände? Konkrete Pläne für das Gesamtareal gibt es nicht. Heinz Bähr glaubt, dass zumindest der von den Russen gebaute Bunker gut für Jugendliche nutzbar wäre. Schalldicht, solide und warm ist er immerhin. Und sonst? Ein Campingplatz? Welcher Gewerbetreibende würde investieren, wenn allein die Instandsetzung der Dächer 4,5 Millionen Mark kostet? Bis eine Lösung gefunden ist, werden die Bauten weiter verfallen. Wir sind am Ende der Tour - fast. Jetzt noch mal von vorne, weil es so schön war. Foto / zurück

 
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