INDEX
NEUES
PRESSE
MUSEUM
GESCHICHTE
MODELLBAU
   

>> Presseartikel <<

Märkische Allgemeine Zeitung vom 13. Januar 2005


Leserbrief


Zu „Für und Wider um Bücker“, MAZ am 11.Januar Ist Bücker ein Vorbild?


Die MAZ berichtete ausführlich über die Absicht, der Realschule in Rangsdorf den Namen Carl-Clemens-Bücker-Schule zu verleihen. Dabei wird – was niemand bestreitet – herausgestellt, dass Bückers Schul- und Sportflugzeuge den Produktionsort Rangsdorf weltbekannt machten.

Von 1500 Arbeitsplätzen im Kriege ist die Rede, einschließlich der mehr als 500 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen. Mehrfach wird festgestellt, Bücker habe im Kriege auch Rüstungsaufträge erfüllen „müssen“, er habe das „nicht verhindern können, wäre sonst zwangsenteignet worden“. Enteignet worden ist Bücker tatsächlich nach 1945, und zwar aufgrund der Gesetze des Alliierten Kontrollrats für Deutschland über die Enteignung von Nazi- und Kriegsverbrechern sowie Rüstungsproduzenten. Am 12. Februar 1999 schrieb dazu Dr. Wietstruk im Rangsdorfer „Allgemeinen Anzeiger“, Bückers Widersprüche gegen die Beschlagnahme seien nach 1945 erfolglos geblieben. Tatsächlich haben die britischen und amerikanischen Alliierten ebenso wie die sowjetischen Behörden keinen Grund gesehen, die Bücker GmbH aus der Liste der Betriebe zu streichen, die nach Punkt 11 des Potsdamer Abkommens vom 2. August 1945, das die Unterschriften von USA-Präsident Truman, dem britischen Premier Attlee und Marschall Stalin trägt, „die Herstellung aller Typen von Flugzeugen“ verbot. In den Publikationen von Siegfried Wietstruk ist nachlesbar, dass in den Rangsdorfer Bücker-Werken als Rüstungsproduktion der Lastensegler DTS 230, Teile für die Gleitbombe Henschel Hs 293 – die als so genannte V-Waffen gegen Großbritannien eingesetzt wurden -, Tragflächen für den Sturzkampfbomber Ju 87 und Leitwerksteile für das Jagdflugzeug Focke-Wulf Fw 190 gebaut wurden.

Wenn heute der Eindruck erweckt wird, Bücker habe das alles unter „Zwang“ getan, sind Zweifel angebracht. Immerhin umging Bücker zusammen mit dem Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel schon nach dem Ersten Weltkrieg das damalige Verbot zum Flugzeugbau in Deutschland, als er Teile und Teilproduktionen in Schweden fertigte. Auch belegen die Akten des Reichsluftfahrtministeriums im Bundesarchiv (Bestand RL 3/326), dass sich Bücker ohne jeden Zwang schon am 26.Oktober 1933 mit einer Bitte um Aufträge an dieses gewandt hatte. Solche Initiativen Bückers sind bis in den Krieg hinein dokumentiert. Wie alle anderen Industriellen sprang Bücker auf den Zug der Zeit, der in den Weltkrieg fuhr, auf. Sein Betrieb und sein Vermögen profitierten davon.

Wenn im Zeitungsbericht über das „Für und Wider um Bücker“ dann gar zu lesen ist: „Mit Hilfe von rund 500 Zwangsarbeitern aus der Sowjetunion wurden unter anderem Teile für Sturzkampfbomber und für ein Jagdflugzeug produziert“, dann muss doch festgestellt werden: Die Zwangsarbeiter, gewaltsam deportiert aus den eroberten belorussischen, ukrainischen und russischen Gebieten, hatten nie die Absicht Herrn Bücker und seinen Auftraggebern des Hitlerregimes im Krieg gegen ihre Heimat zu „helfen“. Sie, eingesperrt in besondere Baracken auf einem umzäunten Gelände, waren die wirklich zur Arbeit gezwungenen. Schon vor Jahren hat die Rangsdorfer Gemeindevertretung zum Andenken an ihr schweres Los beschlossen, eine Gedenktafel für sie zu errichten. Geschehen ist bis heute nichts. Auch ist nichts darüber verlautet, dass der Neffe Bückers oder Rangsdorfer, die sich um die Benennung einer Schule oder Straße mit dem Namen Bückers bemühen, sich dafür interessieren, ob und wie die Zwangsarbeiter bei Bücker entschädigt worden sind oder werden. Ältere Rangsdorfer berichten, dass verstorbenen Zwangsarbeitern sogar die Beerdigung auf dem Friedhof verweigert wurde, sie in Gräbern neben dem Friedhof, wo sich die spätere Müllhalde befindet, verscharrt wurden.

Alle diese Aspekte bewogen die Rangsdorfer Gemeindevertretung im Jahre 1999, als schon einmal das Thema einer Straßenbenennung nach Bücker auf der Tagesordnung stand, in der Existenz, Förderung und Weiterentwicklung des Bücker-Museums in Rangsdorf eine ausreichende Würdigung zu sehen, wobei das Museum die Möglichkeit bietet, sich kritisch mit allen Aspekten der Geschichte des Bückerwerks auseinander zu setzen, was ein Namensschild nicht kann. An diesen Beschlüssen sollte man in Rangsdorf festhalten.

Prof. Dr. Gerhart Hass, Rangsdorf

 

 
  nach oben     HOME KONTAKT SERVICE IMPRESSUM GÄSTEBUCH