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Märkische Allgemeine Zeitung vom 13. März 2001

Stillstand ist Rückschritt für Rangsdorf
Leserbrief von Heide Wolffgramm, Rangsdorf

Es gibt Leute in Rangsdorf, denen geht es richtig gut. Sie haben ein Haus, ein Auto, ein gutes Einkommen und Einfluss. Sie können ihre Zerstreuung in der Stadt und auf Reisen suchen. In Rangsdorf wünschen sie Ruhe. Um diese zu bewahren nutzen sie ihren Einfluss, den sie vermutlich schon länger als elf Jahre haben. Sie waren schon immer dafür, dass sie dagegen sind, dass sich etwas im Ort entwickelt.
Es gibt aber auch Leute, die hätten gern einen Arbeitsplatz, im Ort vielleicht sogar. Sie würden auch gern mal was anderes sehen, wenn sie vor die Tür gehen als nur Natur. Sie würden gern einen Bummel machen und zusehen, wie die Oldtimer bei Rosenow aufgearbeitet werden oder wie ein Bücker-Flugzeug seinen Jungfernflug macht. Aber diese Leute haben keinen Einfluss und wenn sie eine Liste "Pro Bücker" im Gemeindezentrum unterschreiben, bekommen sie eine telefonische Beschimpfung von einem Makler zu hören, der mit Kirchenaustritt droht.
Und dann gibt es noch die Gemeindevertreter, die es zugelassen haben, dass bis zum heutigen Tag nicht eine Sitzung nur zum Thema Bücker- Werkflugplatz stattgefunden hat. Die es hingenommen haben, dass die Verhandlungen weitestgehend ohne sie stattfanden. Dafür soll eine Verwaltungsmitarbeiterin dabei gewesen sein, die Wert darauf gelegt hatte, dass ihr Name in keinem Protokoll erscheint. Diese Gemeindevertreter haben nicht darauf gedrängt, dass sie das ganze Konzept schnellstmöglich vorgestellt bekommen. Sie verließen sich darauf, dass der Bürgermeister das intensiv verfolgt, was er bei der positiven Probeabstimmung zugesagt hat. Sie haben nicht mit seiner großen Geduld und der begreiflichen Ungeduld der Investoren und der Interessengemeinschaft gerechnet. Der für Anfang März zugesagte Sitzungstermin zum Thema Bücker sollte erst Ende des Monats stattfinden - wie auf Nachfrage nach dem Desaster-Rückzug der Interessenten- zu hören war. Nun sind einige Gemeindevertreter verstimmt, weil sie als unfähig beschimpft worden sind. Einige sind vermutlich erleichtert, weil sie nichts mehr entscheiden müssen, denn sie wollen sich nicht unbeliebt machen. Ich hadere mit mir, dass ich meinen Antrag, einen Mediator (Schlichter) einzusetzen zwar gestellt, aber nicht verfolgt habe. Er hätte mit den Gemeindevertretern und der Interessengemeinschaft eine gemeinsame Lösung erarbeitet. Ich habe von Anfang an die Befürchtung gehabt, dass der Bürgermeister mit dieser Aufgabe überfordert ist. Schade für Rangsdorf. Die Mehrheit will die Weiterentwicklung, denn Stillstand ist Rückschritt.

Kennen Sie noch Rangsdorf?
Leserbrief von Thomas Witt, z. Z. in Hong Kong

Wir schreiben das Jahr 2025. Können Sie sich noch erinnern, es gab da mal südlich von Berlin den idyllisch gelegenen Ort Rangsdorf. Verschwunden, vergessen. Was war geschehen? Ungefähr zur Jahrtausendwende kamen einige der Bewohner des Ortes auf die Idee, ein brach liegendes Militärgelände zu reaktivieren. Es sollten wieder die Flugzeuge aus den späten dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut werden und das noch existierende Flugfeld als Werksflugplatz genutzt werden.
Die Reaktionen der Rangsdorfer reichten von Hoffnung auf wirtschaftliche Belebung bis zu Angst vor Fluglärm. Die Gemeindevertreter waren durch das Auftreten von Interessenten für dieses Gelände derart geschockt, dass sie unfähig waren, die nötige schnelle Entscheidung zu treffen. Erst als sich die Interessenten zu anderen Plätzen gewandt hatten, versuchte man ein neues Konzept zu entwickeln. Aber alle Investoren waren angesichts des verfallenen Platzes und verlangten Preises sofort verschwunden. Es kehrte wieder die alte Ruhe ein. Nur in der Gemeindeverwaltung begann man sich die Köpfe zu zerbrechen, wo das Geld für alle nötigen Reparaturen herkommen sollte. Die Einwohner nahmen es anfangs gelassen und tauschten wegen der zunehmenden Straßenschäden ihre Pkws gegen Geländewagen. Als die Straßen sich später völlig aufgelöst hatten, waren viele schon weggezogen. Einigen war es noch gelungen, ihr Anwesen für'n Appel und 'n Ei zu verkaufen. Im Jahre 2014 wurde Rangsdorf zum Naturschutzgebiet erklärt. Man entdeckte dort eine vom Aussterben bedrohte Spezies: den Rangsdorfer. Tatsächlich lebten damals noch 25 Familien im Ort. Heute sind es noch drei Leute: ein Fischer, ein Schäfer, der die alte Einfliegerhalle als Stall und das Flugfeld als Weideland nutzt und ein Trinker, nahe des am Ortsrand gelegenen Einkaufszentrums. Fahren Sie mal hin, aber seien Sie leise! zurück

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