INDEX
NEUES
PRESSE
MUSEUM
GESCHICHTE
MODELLBAU
   

>> Presseartikel <<

Märkische Allgemeine Zeitung vom 14. Juli 2004

Zünden oder nicht zünden?
Teil 18 der Dokumentation "20. Juli - Das Attentat"

JÜRGEN LESKIEN

RANGSDORF: Einst 1936 als Flugplatz der Olympischen Spiele in Deutschland eröffnet, wurde der Flugplatz Rangsdorf während des Krieges zum wichtigen Landeplatz für Kurier- und Verbindungsflugzeuge - hier war die "Flugzeugverbindungsgruppe des OKH" stationiert. Vom Flugfeld fuhr man mit dem Auto nur 20 Minuten bis zum OKH in Zossen/Wünsdorf. Der Kundige konnte sich über die Häufigkeit von Start und Landung, anhand des Start- und Zielflugplatzes der einfallenden oder abfliegenden Maschinen, an Rang und Dienstgrad der beförderten Offiziere und Generale ein Bild über Truppenbewegungen machen. Das wusste auch die sowjetische militärische Aufklärung. Einer, der die Flugzeugführer vor ihrem Start in der Rangsdorfer Flugwetterwarte über Wind und Wolken informierte, war Heinrich Scheel.

Oberleutnant Scheel, überzeugter Gegner Hitlers, diente in Rangsdorf als "Wetterdienstinspektor auf Kriegsdauer". Der Offizier auf Zeit gehörte zur Schulze-Boysen/Harnack-Widerstandsgruppe. In diesen Kreis gelangten auch seine Beobachtungen, die er während des Dienstes in der Wetterwarte machte. Am 16. September 1942 wurde Scheel verhaftet, dann verurteilt, eingesperrt. Er überlebte den Krieg nur durch eine Reihe günstiger Umstände.

Die Festnahme von Mitwissern durch die Gestapo, die Sorge um die drohende Entdeckung und die Lage an der Front trieben die Verschwörer zur höchsten Eile. Stauffenberg, der bislang auf General Stieff als Attentäter gehofft hatte, entschloss sich, die Bombe selbst zu legen. Am 11. Juli war er zur Berichterstattung bei Hitler auf den Obersalzberg befohlen worden, der Sprengstoff steckte in seiner Aktentasche. Stauffenberg wollte handeln, aber Stieff verwies darauf, dass Himmler abwesend war und man vereinbart hatte, die Bombe nur zu zünden, wenn es Hitler und Himmler gleichzeitig traf. Stauffenberg ließ den Zünder für das Sprengstoffpaket unberührt. Drei Tage später, am 15. Juli, ergab sich eine neue Gelegenheit. General Fromm und Stauffenberg hatten Hitler vorzutragen, diesmal in der "Wolfsschanze". Stauffenberg war zur Tat bereit, auch eingedenk der verpassten Gelegenheit auf dem Obersalzberg. Als Stauffenberg in Rangsdorf abflog, löste Mertz von Quirnheim um 10.30 Uhr für die Heeresschulen in Krampnitz, Potsdam, Berlin die "Walküre"-Marschbereitschaft aus. Wieder war bei der Lagebesprechung Himmler nicht zugegen. Stieff forderte Stauffenberg unmittelbar vor Besprechungsbeginn im Namen der anderen Verschwörergenerale eindringlich auf, die Bombe nicht zu zünden.

Also teilte Stauffenberg gegen 14.45 Uhr Mertz von Quirnheim mit, dass er nicht aktiv geworden sei. Daraufhin wurde "Walküre" als Übung ausgegeben, Einheiten in Krampnitz und Potsdam wurden sogar von Mitverschwörern wie Olbricht und Oetzen inspiziert. Zeitzeugen berichten, dass sich bei einigen unter den in Berlin verbliebenen Verschwörergeneralen beim Eintreffen der Nachricht, dass Stauffenberg nicht gezündet hatte, eine "nahezu euphorische Stimmung" breitgemacht habe.

General Fromm flog nach Rangsdorf zurück, Stauffenberg indes nahm den Kurierzug nach Berlin. Am nächsten Abend, es war ein Sonntag, trafen sich in der Tristanstraße die Brüder Stauffenberg mit den engsten Freunden, um sich über die jüngsten Fehlschläge zu verständigen. Die 50. Armee der 2. Weißrussischen Front operierte an diesem Tag bereits 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Die komplette Dokumentation der "20. Juli - Das Attentat" kann hier nachgelesen werden.

zurück

 
  nach oben     HOME KONTAKT SERVICE IMPRESSUM GÄSTEBUCH