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Märkische Allgemeine Zeitung vom 16. Januar 2003

Der Rangsdorfer Strand hat an Attraktivität verloren - und dennoch können die Rangsdorfer zufrieden sein
Vor einem halben Jahrhundert

Rangsdorf • Nur Ältere werden sich erinnern an die große Rutsche am Rangsdorfer See. Für Generationen war es selbstverständlich, im Rangsdorfer See zu baden und auch schwimmen zu lernen. Wenn die Eltern es wünschten unter Anleitung des Bademeisters. Wer mehr Traute hatte und die natürliche Begabung, begann seine Schwimmkarriere als "bleierne Ente". Ein Bein auf dem Grund, Schwimmbewegungen imitierend, bewegte man sich durchs Wasser. Im Rangsdorfer See kam man so ganz schön weit. Doch für kurze Kinderbeine war selbst der flache See irgendwo endgültig ein zu tiefer See. Manche "bleierne Ente" ist, eh es recht begriffen war, Schwimmer geworden. Das Rangsdorfer Seebad war Ziel der Familien, Ausflügler, Schulklassen, Jugendlichen ... Massen lagen am Strand. Am ehesten auf Decken oder in ausgeliehenen Liegestühlen. Im Sand oder im Gras. An heißen Wochenendtagen wimmelte es vor Menschen am Strand des Rangsdorfer Sees. Vor einem halben Jahrhundert.

Nur Alte werden sich erinnern an die Mondscheinfahrten auf dem See. Zu den Schiffsexkursionen lud das "Seebad-Casino" ein, das mit Getränken und Musik für die gute Stimmung der Gäste sorgte. Strand, See, "Seebad-Casino" waren nicht nur für die stille Betrachtung schöner Sonnenuntergänge da. Das Strandleben war rege in Rangsdorf. Insbesondere seit dem 8. August 1930, als "Seebad-Casino" 1 seine Türen öffnete. Der Palucca soll es ein Vergnügen gewesen sein, die Balletteleven eines Sommerkurses durch den Sand des Strandes gejagt zu haben. Die Wiederbelebung des Strandbades lässt auf sich warten. Eine Reinigung des Sees durch den See ist so sicher nicht. Gelingt die Reinigung, so dauert's, bis der See wieder ein klarer Badesee ist. Ohne das gerne und oft ignorierte Schild: "Baden verboten". Der Strand ohne Bad lockt selten Rangsdorfer. Ausgenommen, es lodert das Osterfeuer, oder . . . Rangsdorfer Strand-Spaziergänger stellen sich abends ein und lassen die Hunde von der Leine und so auf den See los, lassen die Hunde See-Hunde sein. Was dem Menschen untersagt ist, muss Mensch Hundehalter dem Hund nicht verbieten. Auch ohne Strandbad ist das Strand-Leben nicht ganz so trübe wie das Wasser des Sees. Wäre das Strand-Leben lebhafter, das Wasser weniger trübe, Rangsdorf wäre wieder der meistbesuchteste Ort im Süden der Hauptstadt. Das war mal so vor 70, 60 Jahren.

Was werden jüngere Rangsdorfer in Jahrzehnten erinnern, denken sie an den Strand, an den See? Vielleicht wird einer der vier Jungen den einen Abend am See nicht vergessen! Einer der Jungen, der nicht weg wollte vom Wasser, als vier gut beleuchtete Boote in See stachen und übers Wasser tuckerten. Zunächst im Konvoi. In der Dunkelheit fast verschwindend. Immer wieder ans Ufer zurückkehrend. Die Schiffsmodelle faszinierten den Jungen wie die Modellbauer, die ihre Schiffe an diesem Abend des August "auf See schickten". Das Schaufahren war der Beitrag der Modellbauer zur langen Nacht. Noch 'ne lange Nacht?! Die zweite lange Nacht. Und wieder die einzige lange Nacht des einzigen Museums im Teltow-Fläming. Zweimal im Jahr gibt es im Kreis den Tag des offenen Ateliers und den des offenen Denkmals sowieso. Muss da aufgestockt, gar was aufgepfropft werden? Nicht auch noch die lange Nacht der Museen nachahmen?

Das Rangsdorfer Museum, Am Stand 1, ist ein Solist. Wo bitte, gibt es das sonst in der Welt, ein Europäisches Eissegelmuseum, und über dem Eissegelmuseum, unterm gewissen Dach, das Bücker-Luftfahrtmuseum. Zwei Unikate unter den Museen in Europa und der Welt. So was am Ort, im Ort zu haben, ist schon was. Nicht nur wegen des Renommee für Rangsdorf. Für das "Seebad-Casino", das dem Museum Gastrecht gewährt.

Vieles hat sich angefunden, was zu Ausstellungsstücken im Doppelmuseum avanciert, das am 1. April 2001 geöffnet wurde. Museen sind Magneten. Wie Besucher ziehen sie Schaustücke an, die Freunde, Förderer, Interessierte, Erben einbringen. Schnell kann es eng werden in einem kleinen Museum, das sich Objekten wie Eisseglern und Flugzeugen widmet. Gelingt es dem Eissegelmuseum nicht nur Modelle zu präsentieren, sind dem Luftfahrtmuseum deutlich Grenzen gesetzt. Gemeinsam ist beiden Museen im Museum, dass mehr Exponate da sind als sich großzügig arrangieren lassen. Spürbar ist der Stolz der Sammler. Enorm ihr Ehrgeiz, alles zu zeigen. Bei Bückers wird so mancher Karton unterm tuchbespannten "Tisch" verstaut. Natürlich nicht, was eben erst bei Restaurierungsarbeiten im Haus des einstigen Aero-Clubs entdeckt wurde: Sekt-Pokal und Aschenbecher. Am liebsten würde man den Pokal dem Heinz Rühmann oder der Elly Beinhorn in die Hand dichten, um das Profane bedeutungsvoller zu machen. So zu floskeln heißt nicht, den Rangsdorfern den Respekt zu versagen. Alles Suchen, Sammeln, Sortieren, Systematisieren, Zurschaustellen fordert hundertprozentigen Fleiß, der ohne Freude kaum möglich wäre. Die Rangsdorfer können zufrieden sein. zurück

 
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