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Märkische Allgemeine Zeitung vom 16. Oktober 2003

ZOSSENER RUNDSCHAU / LESERPOST
Weniger ist diesmal mehr

RANGSDORF • Am 2. Oktober veröffentlichte die MAZ einen Beitrag über 70 Jahre Bücker-Flugzeugbau des Historikers Siegfried Wietstruk. Dabei hat der Autor dem heutigen Eigentümer des Geländes der ehemaligen Bücker-Werke in Rangsdorf, dem Land Brandenburg, verantwortungslosen Umgang mit dem unter Denkmalschutz stehenden Areal vorgehalten.

Zunächst ist festzustellen, dass dieses Gelände von 1945 bis 1994 vom russischen Militär genutzt wurde. Bis 1999 war es dann Bundeseigentum. Nach erwiesener Unverwertbarkeit für die Bundespläne ging das Eigentum 1999 in das Sondervermögen des Landes Brandenburg über.

Als Objektverantwortlicher habe ich eine andere Vorstellung von der Zukunftssicherung für das Baudenkmal als Herr Wietstruk. Den ehrenwerten historischen Darstellungen von Herrn Wietstruk möchte ich daher einige aktuelle praktische Fakten und Planungen gegenüberstellen.

Auf dem 15 Hektar großen Gelände der Bücker-Werke sind acht Gebäude als Denkmal geschützt. Der Zustand der Baulichkeiten ist wegen des langzeitigen Leerstandes desolat, zusätzlich hat der Vandalismus das Erscheinungsbild erheblich beschädigt. Obwohl für die Bewachung und Bestandssicherung von 2000 bis 2002 300 000 Euro ausgegeben wurden, gelang es nicht, diesen beklagenswerten Zustand zu verhindern. Weil diesen Kosten keine Einnahmen gegenüberstehen, sind höhere Ordnungsaufwendungen wirtschaftlich nicht vertretbar.

Bild vergrössernDeshalb hat sich unsere Gesellschaft mit der Gemeinde über eine grundsätzliche Änderung der Verhältnisse verständigt. Dabei gehen wir gemeinsam davon aus, dass Ordnung und Denkmalpflege nur machbar sind, wenn das Gelände neu geordnet, privatisiert und genutzt wird. Dies soll in Übereinstimmung mit dem Flächennutzungsplan von Rangsdorf erfolgen. Es ist vorgesehen, unter Nutzung von Fördermitteln der EU und des Landes sowie des Arbeitsamtes das Gelände zu beplanen, zu erschließen und der vorwiegend gewerblichen Nutzung zuzuführen. Vorher muss die Altlastenbeseitigung und der teilweise Abbruch erfolgen. Das Hauptproblem dieses Entwicklungsprojektes ist die Ansiedlung von Investoren. Die Erfahrungen aus dem letzten Jahrzehnt und die aktuelle Situation in der Immobilienbranche zeigen deutlich, dass desolate alte Hallen unverkäuflich sind. Exakte Vergleichsberechnungen haben ergeben, dass neue Gewerbehallen deutlich billiger sind als die Instandsetzung der vorhandenen Denkmale. Deshalb ist es notwendig, den Denkmalschutz auf das Wesentliche und wirtschaftlich Machbare zu konzentrieren. Schlussfolgernd daraus sollen die wichtigsten vier Gebäude erhalten und für die vorstellbare Umnutzung vorbereitet werden. Die restlichen drei Gebäude, dabei zwei Hallen, sollen abgebrochen werden, um die Freiflächen für die Gewerbeansiedlung verfügbar zu haben. Der Verkauf dieser Flächen ist für die Refinanzierung der Entwicklungskosten notwendig.

Wenn mit dem Blick auf die Historie und den Denkmalstatus diese Entwicklung mit diesem unverzichtbaren Abbruchanteil verhindert wird, worauf Herr Wietstruk in seinem Artikel abschließend hofft, dann kann auf diesem Gelände überhaupt keine Verbesserung erwartet werden. Vermutlich wird es wegen Verfalls in überschaubarer Zeit keine Gebäude der Bücker-Werke mehr geben. Bei der derzeitigen Haushaltssituation wäre es illusorisch, mit öffentliche Zuwendungen für die Erhaltung ungenutzter Industriebauten zu rechnen. Also gilt für uns der Ansatz: Weniger Denkmale, aber diese mit realen Chancen für die Erhaltung und Umnutzung. Die geplante Entwicklung dient dem Denkmalensemble und der Gemeinde Rangsdorf.

Heinz Bähr, Objektverantwortlicher bei der Brandenburgischen Bodengesellschaft Wünsdorf ...zurück

 
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