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Märkische Allgemeine Zeitung vom 19. Februar 2001

Erpressung?
In Rangsdorf brennt die Luft. von Gudrun Schneck

RANGSDORF . In Rangsdorf brennt die Luft. Am Donnerstag könnte eine Entscheidung im Gemeindeparlament fallen, die für Jahrzehnte Bestand haben muss: Wird auf dem ehemaligen Bücker-Gelände wieder eine Firma des historischen Flugzeugbaus angesiedelt oder nicht?
Die Fronten sind klar. Ein Teil der Rangsdorfer fürchtet um den Ruf als ruhige Erholungsgemeinde, als idealer Wohnort im Grünen und doch nahe der Hauptstadt Berlin. Ein anderer Teil der Einwohner glaubt den Bücker-Interessenten, dass die künftig zu bauenden Bücker-Flugzeuge mit modernen, leisen Motoren ausgestattet sein werden und sieht in der Wiederbelebung des einstigen Flugzeugbau-Standortes eine einmalige Chance.
Fraglich ist zuerst, ob sich der Gemeinderat überhaupt am Donnerstag mit dem Problem befassen will. Das Ultimatum der Bücker-Interessenten klingt nach Erpressung. Nach Ablauf der Ladungsfrist wollen sie das Thema auf die Tagesordnung zwingen. Es wäre völlig korrekt, achselzuckend auf die Geschäftsordnung zu verweisen.
Ob das klug wäre, ist eine zweite Sache. Im vorliegenden Fall kann die Verschiebung schon die Entscheidung selbst bedeuten - die dann die Investoren treffen.

Leserpost
Dann täglich ein "Event". von Matthias Förster, Rangsdorf

Viele Rangsdorfer können sich noch sehr gut an die Gemeindevertretersitzung im Jahre 1994 erinnern, als es um dieses Thema ging. Namhafte Sachverständige waren eingeladen. Das Ergebnis der Abwägung und die Meinung der Bürger fiel eindeutig gegen die Wiederaufnahme des Flugbetriebes aus. Die Abstimmung der Gemeindevertreter brachte ebenfalls ein einstimmiges Ergebnis dagegen.
Hat sich die Meinung der Gemeindevertreter so schnell gewendet, oder wurde gar zwielichtig Einfluss genommen? Man kann einiges ahnen, so wie in der Presse Stimmung gemacht wird. Vor einem Jahr landeten zwei Bückerflugzeuge mit "Flüstermotoren". Das störte natürlich nicht Rangsdorfs Naturschutzgebiete und den Erholungscharakter des Ortes. Das wirkte als gute Voraussetzung, um es im nächsten Jahr wieder zu Pfingsten noch besser zu machen. Die Pressekonferenz vom 25. Januar zeigt den Weg. Zunächst sollen mehr als 100 Oldtimerflugzeuge das Flair der 20er und 30er Jahre vermitteln, also Flugzeuge, die 60 und mehr Jahre alt sind und somit keine leisen Motoren haben. Diese Oldtimer können gar nicht die vorgeschriebene Mindestflughöhe von mehr als 300 m über unseren Grundstücken erreichen, wenn sie auf dem ehemaligen Flugplatz landen und starten. Und wenn es nicht über die Grundstücke geht, dann über den See und das Vogelschutzgebiet.
Jetzt beim 2. Treffen sollen viele Rangsdorfer, anders als damals im Seebadcasino, wie im Vorjahr mit Stolz auf diesen "Event" eingestimmt werden. Danach ist dann die Zeit herangereift, die generelle Landeerlaubnis durchzusetzen. Dann haben alle Rangsdorfer täglich ein "Event". Angeblich sollen es ja nur ein bis zwei Flugbewegungen pro Tag sein. Später wird dann eine Asphaltbahn notwendig. Noch wird das als absurd abgestritten. Es kommt aber die Zeit, um das von hinten durch die Brust durchzusetzen.
Die Begründung für solche Flugbewegungen ist schnell hergeholt: Rangsdorf braucht Gewerbe, um seine Einnahmen zu erhöhen. Man muss schon feststellen, dass die Restauration von Fahrzeugen ei- ne gute Branche ist, die umweltverträglich und somit zu unterstützen ist. Sie kann zu unserem Ort passen, allerdings ohne Fluglärm. Es gibt auch weitere Branchen, beispielsweise aus dem Hochtechnologiebereich. Lasst uns um solche Firmen werben. Die Steuereinnahmen können auch durch weiteren Zuzug von Einwohnern erhöht werden, indem der Einkommenssteueranteil für die Kommune steigt. Hier hat Rangsdorf als eine der wenigen Umlandgemeinden von Berlin ein genehmigtes Entwicklungspotenzial. Jedoch erfolgt dieser Zuzug nur, wenn die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Lebensqualität, stimmen. Der künftige Fluglärm von Schönefeld wird diese schon genug begrenzen.
Übrigens, ich werde zu Pfingsten, wenn der "Event" mit den vielen Oldtimerflugzeugen stattfindet, nicht in Rangsdorf sein. Ich fahre in eine Gegend, in der man sich in Ruhe von der Arbeit erholen kann. Der sanfte Tourismus könnte auch für Rangsdorf eine Alternative sein.

Leserpost
Verantwortung zeigen! von Heide Wolffgramm, Rangsdorf

Ich freue mich, dass wieder Leben einziehen soll auf dem Bücker-Gelände. Der UWB Pro Rangsdorf war der einzige, der sich sofort positiv zu dem Vorhaben äußerte. Es ist die Chance für Rangsdorf, ein attraktives Gewerbe hierher zu bekommen und Gewerbetreibende und damit Arbeitsplätze zu halten. Es sind ja schon genug Betriebe gegangen, weitere haben ihren Weggang angekündigt. Unsere Gewerbesteuern betrugen im Jahre 1999: 251000 Mark, Groß Machnow hatte im gleichen Jahr 3.163.000 Mark.
Wir sparen, erhöhen die Gebühren für Vereine und Kitas und schaffen es trotzdem nicht, ordentliche Straßen zu bauen. So darf das nicht weiter gehen. Den lautstarken Widerstand einzelner Rangsdorfer in der Ausschusssitzung kann ich mir nur so erklären, dass sie vom Lärm der russischen Fluggeräte so traumatisiert sind, dass ihnen die Fähigkeit des kühlen Abwägens von Vor- und Nachteilen abhanden gekommen ist. Angst ist ein schlechter Berater. Mich wundert allerdings, dass diese so empfindsamen Menschen bisher nichts gegen die Dauerbeschallung durch die Autobahn unternommen haben. Ich hoffe, dass die Abgeordneten, nachdem sie einstimmig für die historischen Sportflugtage votiert haben, standhaft bleiben und Verantwortung für die Entwicklung des gesamten Ortes zeigen. Die Zeiten, wo man Angst um das persönliche Wohlergehen haben musste, wenn man zu seiner Meinung steht, sind vorbei. zurück

 
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