INDEX
PRESSE
MUSEUM
GESCHICHTE
MODELLBAU
   

Märkische Allgemeine Zeitung vom 21. Februar 2001

Nein zu "Pistole auf die Brust"
Gegner des geplanten Bücker-Werksflugplatzes formieren sich

RANGSDORF. In Rangsdorf formieren sich die Gegner eines Bücker-Flugplatzes. Heute um 19 Uhr wollen sie im Anglerheim am Kiessee ihre "Marschroute" beraten.
Aufgeschreckt wurden sie von der ultimativen Forderung der Interessengemeinschaft "Denkmalgeschütztes Bücker-Gelände" an den Gemeinderat, auf der morgigen Sitzung Farbe für oder gegen die Ansiedlung der Flugzeugbau GmbH zu bekennen.
Doris Reiff, die im Rangsdorfer Lerchenring wohnt, etwa 50 Meter entfernt vom Flugplatzgelände, hat Einladungen für die heutige Bürger-Versammlung verteilt. "Mein Vater war früher bei Bücker beschäftigt. Zu DDR-Zeiten hatten wir unter dem Lärm und den Abgasen der Hubschrauber zu leiden", erzählt sie.
" Wenn es jetzt zu 1500 Starts und Landungen kommt, dann ist es mit einem ruhigen Rangsdorf vorbei. Bei der kürzlichen Bauausschusssitzung hatte ich das schlimme Gefühl, dass fast alles schon in Sack und Tüten ist. Ich hoffe, dass sich die Gemeinde nicht unter Druck setzen lässt. "
PDS-Gemeindevertreter Hartmut Rex will sich am Donnerstag nicht erpressen lassen. "Es kann nicht sein, dass unsere Fraktion erst am 30. Januar mit dem Konzept der Bücker-Interessenten konfrontiert wird, am
5. Februar schriftliches Material erhält und innerhalb von sechs Wochen den Beschluss aus dem Jahre 1994 kippen soll. Damals hatten wir auch nicht von heute auf morgen, sondern auf der Basis eines Gutachtens entschieden, dass Rangsdorf keinen Flugplatz mehr will." Rex ärgert, dass die Bücker-Leute angeblich seit einem Jahr an dem Projekt arbeiten, aber den Gemeinderat und die Bevölkerung nicht einbezogen. "Pistole auf die Brust, das funktioniert nicht", sagt er. Außerdem müssten die im Ort tätigen Wohnungsbaufirmen eingebunden werden, "sie investieren unter anderen Voraussetzungen."
Beim Lesen des Konzeptes sind dem Abgeordneten Fragen gekommen. Immer war von historischen Flugzeugen die Rede, jetzt stünden offenbar auch Cessna-Flüge zur Debatte. Wer kontrolliert die Einhaltung einer bestimmten Zahl von Flugbewegungen auf dem so genannten Pur-Flugplatz, der nur auf Anfrage und Genehmigung des Platzeigentümers anfliegbar ist? Die angegebene Zahl von 3,4 Starts pro Tag ist ein Durchschnittswert - wird sich das Fliegen nicht gerade auf die Schönwetterzeit und die Wochenenden konzentrieren, wenn man sich im Garten erholen will?
Hartmut Rex sieht sich nicht als Gegner eines Bücker-Werkes: " Wenn die Flugzeuge, die hier gebaut werden, hier starten, so wäre das völlig in Ordnung. Aber dabei bleibt es ja laut jetzigem Konzept nicht." Hartmut Rex resümiert: "Die vorliegenden Informationen reichen nicht aus, um eine Entscheidung übers Knie zu brechen. Die Bücker-Leute und die Gemeinde müssen in einen sachlichen Dialog treten. Die historischen Flugtage zu Pfingsten sollten stattfinden. Dann können die Rangsdorfer den Fluglärm besser einschätzen."

Ohne Behandlung in der Gemeindevertretung trägt die PDS das Vorhaben nicht mit
Hartmut Rex, Peter Wetzel, Rangsdorf

"Über den Wolken, da muss die Freiheit ja grenzenlos sein", so singt wohl Reinhard Mey. Und unter den Wolken, da ist sie noch grenzenloser. Da kann wohl jeder machen, was erwill. So scheint es jedenfalls in Rangsdorf zu sein.
Wenn man sich mit der jüngsten Rangsdorfer Geschichte befasst, wird man erfreulicher Weise feststellen, dass es noch vor sechs Jahren einen einstimmigen Beschluss des Gemeindeparlaments gab, einschließlich des jetzigen Bürgermeisters, in Rangsdorf keinen neuen Flugplatz zu genehmigen. Proteste der Einwohner, Gutachten und die Vernunft der Gemeindevertreter hatten wesentlich dazu beigetragen. Das war gut und richtig. Nun wird man sagen, aber Flugtage mit 100, inzwischen sollen es 150 "geräuscharme" Oldtimer sein, bedeutet noch keinen Flugplatz. Durch solche Veranstaltungen soll der " Weltruf" Rangsdorfs wieder hergestellt werden und der Flugzeugbau wieder in Gang kommen. Rangsdorf braucht Industrie, um Arbeitsplätze zu schaffen. Das ist die Devise.
Aber mal langsam. Hat es nicht nach der Wende die feierliche Erklärung der damaligen Vertreter in der Gemeindevertretung gegeben, aus Rangsdorf einen schönen, ruhigen und ansehnlichen Wohnort am Rande Berlins zu schaffen? Die Gewerbegebiete sollten und wurden in Groß Machnow und Dahlewitz angesiedelt. Die rund 2000 Neubürger werden schätzen.
Nun hat der Förderverein Bücker-Museum Rangsdorf e. V. für Pfingsten, 2. bis 4. Juli, "Historische Sportflugtage" organisiert und sogar den Innenminister des Landes Brandenburg, Jörg Schönbohm, als Schirmherren gewonnen. Es gab dazu auch schon eine Pressekonferenz im Hotel "Seebad-Casino", zu der absichtlich oder unabsichtlich wichtige Institutionen, nicht einmal die Fraktionen in der Gemeinde Rangsdorf und die Verwaltung eingeladen wurden. Lassen wir weitere Einzelheiten dazu weg. Es wird sicher noch mehr dazu gesagt und geschrieben werden müssen. Aus den vorliegenden Dokumenten ist folgendes abzuleiten: Die Einnahmen aus den Flugtagen sollen "für die Realisierung eines Bücker-Museums, der Pflege der Bücker-Geschichte und für den Bestand des Bücker-Werkes" genutzt werden. Dazu gibt es keine Einwände.
Nach der Sanierung des Bücker-Werkes soll die in Polen existierende Neuproduktion der Bücker-Flugzeuge nach Rangsdorf verlegt werden. Ist das Sache eines Museums-Vereins? 20 Arbeitskräfte in Polen sollen die lohnintensiven Arbeiten leisten (niedrige Löhne), und in Rangsdorf werden mittelfristig 50 Arbeitsplätze geschaffen (auch niedrige Löhne?). Wer's glaubt, wird selig. Und wie sieht das nach der Aufnahme Polens in die Europäische Gemeinschaft aus?
Zusätzlich zum Förderverein Bücker-Museum wurde inzwischen eine Interessengemeinschaft denkmalgeschütztes Bücker-Gelände gebildet. Diese will die" Wiederbelebung des ehemaligen Bücker- Werksgeländes und Flugplatzes" erreichen. Sie geht davon aus, dass in der Gemeinde zwischenzeitlich ein Umdenken dazu geführt hat, "der Industrie den Vorrang zu geben" und dazu die Sanierung des Industriegeländes zu favorisieren. Gibt es eigentlich schon Investoren? Wer sind sie? Was und wie viel wollen sie investieren? Wie hoch sind die "Beigaben" der Kommune? Die Interessengemeinschaft geht in ihren Dokumenten davon aus, dass alle Parteien das gegenwärtige Vorhaben unterstützen. Sie muss es ja wissen. Deutlich muss hier gesagt werden: Die Fraktion der PDS in der Gemeindevertretung trägt dieses Vorhaben ohne jede demokratische Behandlung in der Gemeindevertretung, ohne Diskussion und Befragung der Einwohner auf keinen Fall mit. Die Gemeinde hat in den letzten Jahren Investoren für den Wohnungsbau und die Einrichtung einer Internatsschule auf dem Gelände Süd- West Rangsdorfs gefunden. Auch diese Investoren, die wohl noch weitergehende Vorstellungen über die Nutzung des Gebietes haben, müssen gefragt werden.

Eine Goldader ist gefunden worden und sollte auch genutzt werden
Wolfhard Schmidt

Man kann es kaum glauben. Nach Zeitungsberichten der vergangenen Wochen zu urteilen haben Rangsdorfer Bürger eine Goldader in der Gemeinde entdeckt, ein historisches Erbe: die "Bücker" - den Flugplatz und die ehemaligen Werkhallen. Was davon übrig blieb soll Zukunft haben, konstruktiv und Gewinn bringend. Mehr als ein gutes hundert Einwohner mühen sich bereits redlich, andere für den wieder entdeckten Schatz zu begeistern. Verschüttet wurde die goldene Ader im Jahre 1994. Ein Beschluss der Gemeindevertreter verbot jeglichen Flugbetrieb zu Wasser und zu Lande und auf dem Bückergelände.
Die russischen Luftstreitkräfte hatten den Standort im ordentlichen Zustand zurückgelassen. Der Beschluss öffnete dem Verfall der Hallen und des Platzes Tür und Tor im wahrsten Sinne des Wortes. Er war wohl auch ein Dolchstoß gegen jegliches Gewerbe. So jedenfalls lässt sich fünf Jahre später die Summe der Rangsdorfer Gewerbesteuer für 1999 deuten. Sie betrug bei 6300 Einwohnern ganze 251000 Mark. Das benachbarte Groß Machnow mit 1150 Einwohnern legte 12,6mal mehr auf den Tisch:
3.163.000 Mark. Auch das ist Gemeindepolitik.
Und nun soll endlich in Rangsdorf ordentlich geschürft werden. "Pro Bücker! " mit diesem Ruf will man der Goldader zu Leibe rücken. Diesen Ruf hat sich der Bücker-Förderverein auf seine Fahne geschrieben. Unter ihr möchte er die kommunalen Gemeindevertreter sammeln. Sie mögen und sollen den 1994er Beschluss aufheben, der alles bremst. Nur ein formaler Akt. Oder doch mehr?
Der Bücker-Investor steht vor der Tür. Die Sportflugzeuge hatten und haben heute noch Weltruf. Der Name Rangsdorf war damit verbunden. Der Name soll wieder damit verbunden werden. Eine "Bücker" aus Rangsdorf made in Brandenburg/Deutschland - darin liegt die Rangsdorfer Gewerbezukunft im großen Maße und auch die für das Steuersäckel der Gemeinde.

Nicht mehr beherrschbar
Bemd Wuthenow, Rangsdorf

Ich habe mich entschlossen, Neubürger von Rangsdorf zu werden, als ich die Auskunft erhielt, es sei nicht vorgesehen, den Bückerflugplatz aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Es macht mich deshalb betroffen und nachdenklich, wenn ich höre und lese, dass ernsthaft darüber nachgedacht wird, den flugplatz nun doch zu reaktivieren. Sind die Bedenken, die 1994 zum Aus für den Flugplatz führten, denn ausgeräumt? Ist berücksichtigt, dass ein Flugplatz in Rangsdorf zu einer deutlichen Reduzierung der Wohnqualität führt? Gerade die Ruhe, die Natur und der See haben viele wie mich veranlasst, nach Rangsdorf zu ziehen. Ist denn die Reaktivierung des Flugplatzes mit dem Naturschutzgebiet vereinbar? Sind die Beschädigungen an Natur und Umwelt berücksichtigt? Sind tatsächlich nennenswert Arbeitplätze geplant? Ist in Ansätzen bekannt, was wirklich geplant ist?
Ich bezweifle, dass die Folgen, die mit der Wiederbelebung des Bücker-Flugplatzes wirklich verbunden sind, von der Bevölkerung der Gemeinde gewollt sind. Es liegt bislang kein klares Konzept vor, niemand kennt die Investoren, niemand weiß, was konkret durch wen finanziert werden soll.
Auch die Auskunft, es sei nur ein Werkflugplatz geplant, allenfalls 1500 Starts (Landungen hinzu gerechnet) beruhigt mich nicht. Hat die Gemeindevertretung die Wiederbelebung entgegen den nicht ausgeräumten Bedenken einmal genehmigt, sind zusätzlich bis zu 20 000 Starts und Landungen möglich. Die günstige Anbindung an Berlin macht Rangsdorf zu einem idealen Standort eines Flugplatzes, der den gesamten Geschäfts- und Privatflugverkehr des Flughafens Schönefeld aufnimmt. Es drängt sich mir geradezu das Gleichnis des Flugplatzes Egelsbach auf, einem Ort südlich von Frankfurt am Main, der auserwählt war, den Flugverkehr, der auf dem Großflughafen Frankfurt (Main) nicht mehr gewünscht war, aufzunehmen: ln Egels- bach hat es ähnlich begonnen; heute wickelt er mehr als 100000 Starts ab. Die Wiederbelebung des Flugplatzes in Rangsdorf ist der Anfang einer Entwicklung, die von der Gemeinde und der Bevölkerung nicht mehr beherrscht wird; und ich habe die Befürchtung, dass mit einem unklaren Konzept und unklaren Antworten bewusst vermieden wird zu sagen, welche Entwicklung der Bücker-Flugplatz wirklich nehmen soll. Ganz bestimmt wird es mit dem Aufbau des Bücker-Museums, den ich sehr begrüßen würde, nicht sein Bewenden haben. Ich würde es bedauern, wenn sich Rangsdorf zu einer verkehrstechnischen Lösung des Flughafens Schönefeld entwickelt und die eigentlichen Werte der Gemeinde zur Nebensache werden.

Die angrenzenden Naturschutzgebiete könnten beeinträchtigt werden
Bemd Ludwig, Rangsdorf; L. Henschel, Dabendorf

Im Jahre 1994 wurde demokratisch und folgerichtig seitens der Gemeindevertretung Rangsdorf auf Grund umfangreicher Gutachten die Wiederaufnahme eines Flugbetriebes im Ort einstimmig abgelehnt. Die Ideen zur Nutzung des ehemaligen Militärgeländes sind im Grünordnungsplan der Gemeinde festgelegt. Mit Befremden müssen wir feststellen, dass nun bestimmte Interessengruppen ganz andere Pläne haben und nicht davor zurück schrecken, der Gemeindevertretung öffentlich zu drohen. In der MAZ, Zossener Rundschau vom 14. bis 18. Februar wird unter anderem darüber berichtet, das zwölf Flugzeuge pro Jahr fertiggestellt werden und 1500 Starts pro Jahr erfolgen sollen sowie zwei Flugtage mit je 100 Maschinen geplant sind. Die Auswirkungen dieser Flugbewegungen auf Mensch und Natur sind von den Befürwortern und nicht von den Gegnern verharmlost und falsch dargestellt.
Alle Bürger von Rangsdorf, insbesondere die der südlichen Ortsteile, würden durch den Lärm und den Schadstoffausstoß in ihrer Wohn- und Lebensqualität permanent stark beeinträchtigt. Die Natur der bezeichneten Fläche würde durch den Flugbetrieb nicht aufgewertet, wie in der Zeitung dargestellt, da die extensive Bewirtschaft des ehemaligen Flugfeldes schon seit 1994 erfolgt. Das ehemalige Militärgelände liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zweier Naturschutzgebiete (Rangsdorfer See und Groß Machnower See) und inmitten des Landschaftsschutzgebietes Notte-Niederung. Deren Existenz wurde in den bisherigen Diskussionen völlig außer Acht gelassen. Die Naturschutzgebiete haben als Schutzziel den Erhalt einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt, insbesondere äußerst störanfälliger, zum Teil gefährdeter seltener Großvogelarten. Eine beabsichtigte Nutzung des Areals für den Flugbetrieb stünde im krassen Widerspruch zu den von der Landesregierung gesetzlich festgelegten Schutzzielen. Eine direkte negative Beeinträchtigung der Schutzgebiete wäre nicht vermeidbar.
Das Landschaftsschutzgebiet Notte-Niederung bietet auf Grund seiner Vielgestaltigkeit und Strukturiertheit mit einem hohen Anteil an Gewässerflächen und seines reizvollen Landschaftsbildes der Bevölkerung aus Rangsdorf und Umgebung sowie aus den nahen Ballungsräumen Potsdam und Berlin eine naturnahe Erholung und die Möglichkeiten für ein vielfältiges Landschaftserleben. Schon die Durchführung des vorjährigen Flugtages mit nur zwei Flugzeugen stieß bei den Erholungssuchenden vielfach auf Ablehnung, die nicht in den Kommentaren der Zeitungen zum Ausdruck kam. Ein naturnaher Tourismus ist mit einem Flugbetrieb nicht vereinbar. zurück

 
  nach oben     HOME KONTAKT SERVICE IMPRESSUM GÄSTEBUCH