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Märkische Allgemeine Zeitung vom 22. März 2001

Zur Debatte um die Ansiedlung der Bücker-Flugzeugproduktion in Rangsdorf:
Auch ohne Flugplatz wird es in der Gemeinde keinen Stillstand geben

Behalten Sie einen klaren Kopf! Lassen Sie sich nicht irritieren und Glaubens machen, dass die Entwicklung in Rangsdorf stehen bleiben wird, nur weil die Interessengemeinschaft denkmalgeschütztes Bücker-Gelände ihren Rückzug vom Standort Rangsdorf erklärt hat.
Da wird den Gemeindevertretern vorgeworfen, unbeweglich, unzuverlässig und desinteressiert zu sein. Es scheint, dass nur Herr Schüttoff und seine Mitstreiter wissen, wie was gemacht wird. Noch schlimmer sind die Erläuterungen der Interessengemeinschaft in ihrem Schreiben an die Brandenburgische Boden (Eigentümerin der Konversionsflächen) vom 6. März, wo die Gemeindevertreter als Hobby- und Freizeitpolitiker betitelt werden und ihnen noch unterstellt wird, kommentar- und tatenlos der Nutzung des Geländes als Abenteuerspielplatz für Neonazis zuzusehen. Die Leserzuschrift der Abgeordneten Heide Wolffgramm und die Schwarzmalerei von einem Herrn Thomas Witt aus Hong Kong setzen noch den Punkt auf das i.
Ist alles wirklich so, dass die Gemeindevertreter solche Dummköpfe sind, die Entwicklung in Rangsdorf zu bremsen, ihr entgegen zu wirken? Wir haben in mehr als zehnjähriger aktiver Mitarbeit in der Gemeindevertretung vieles anders erlebt. Natürlich hat es heiße Diskussionen um bestimmte Projekte gegeben, die auch nicht von heute auf morgen entschieden werden konnten. Und natürlich wurde nicht alles in Bausch und Bogen abgelehnt und durch eine rosarote Brille gesehen. Aber was beschlossen wurde, wurde mit Sachverstand beraten und systematisch voran getrieben.
Die Vorstellungen der Gemeindevertretung, einen Teil des Gebietes Süd-West als ein Gewerbegebiet für Rangsdorf zu entwickeln, konnten durch Entscheidungen des Bundesvermögenssamtes nicht realisiert werden. Das Gelände wollte dieses Amt selbst vermarkten, was nicht gelang. Die Bauten der ehemaligen Bücker-Flugzeugwerke wurden unter Denkmalschutz gestellt. 1999 wurde das Gelände dem Land Brandenburg übereignet und wird seitdem durch die Brandenburgische Boden verwaltet. Nur sie entscheidet über Verkauf und Preis. Die Gemeindevertretung hat nach langen und zähen Verhandlungen Investoren für Teile der Konversionsflächen gewonnen. Das neu entstandene Wohngebiet in der Rathenaustraße und der begonnene Schulneubau an der Seeseite sind sichtbar.
Es ist wohl eine Selbstverständlichkeit, dass die Gemeindevertretung an neue Investoren konkrete Fragen stellt und von ihnen verbindliche Unterlagen und Zusagen abfordert. Jeder Bluff muss ausgeschlossen werden. Und die Dokumente der Interessengemeinschaft lassen viele Fragen offen. Diese sind auch damit nicht abgetan, wenn Herr Schüttoff die PDS ignoriert und als nicht zuständig betrachtet, da sie sowieso gegen alles sei. Die Fraktion der PDS in der Gemeindevertretung möchte mit aller Deutlichkeit zu verstehen geben, dass sie jede unternehmerische Aktivität zur wirtschaftlichen und infrastrukturellen Entwicklung fördert. Sie erhebt auch keine Einwände gegen die Produktion der Bücker-Flugzeuge in Rangsdorf und die Oldtimer-Restaurierung. Sie ist jedoch gegen einen Flugplatz mit Flugbetrieb durch fremde Flugzeuge. Auch der Gedanke, dass mit dem weiter forcierten Ausbau des Flughafens Berlin-Schönefeld Rangsdorf als Nebenflugplatz für die Kleinflugzeuge ausgebaut werden könnte und wohl auch soll, wird von uns nicht unterstützt.
Aus den Dokumenten der Interessengemeinschaft ist klar ersichtlich, dass der Hauptsitz der Bücker-Flugzeugbau GmbH in Polen ist, die lohnintensiven Arbeiten dort fortgeführt und nur die Endmontage und Wartung in Rangsdorf erfolgen soll. Woher die versprochenen 200 neuen Arbeitsplätze kommen sollen, bleibt bisher das Geheimnis der Interessengemeinschaft. Die Kraftfahrzeug-Oldtimerrestaurierung wird sicher auch nicht viele neue Arbeitsplätze bringen. Die PDS stellt natürlich die Frage, ob, wenn viele kleinere und mittlere Betriebe angesiedelt werden sollen, auch ihre Existenz gewährleistet werden kann. Sie ist dagegen, schon von vornherein Insolvenzen einzuplanen.
Es gibt viele weitere Fragen und es könnte und muss natürlich noch viel mehr dazu gesagt werden. Insgesamt ist es bedauerlich, dass die Interessengemeinschaft mit der Art ihres Vorgehens sowie im Umgang mit den Rangsdorfern im Allgemeinen und mit den Gemeindevertretern im Besonderen den Boden eines sachlichen, nützlichen Zusammenwirkens verlassen hat.
Inge Doebler, Hartmut Rex, Peter Wetzel - PDS-Fraktion Rangsdorf

Zur geplanten Bücker-Ansiedlung in Rangsdorf:
Keine Agitation, sondern Lösungssuche

BMit den entsprechenden Pressemitteilungen scheint es nun festzustehen: Im Ort Rangsdorf wird es keine Reaktivierung des einstigen Bücker- Flugzeugbaues geben. Das Tischtuch zwischen den verhandelnden Parteien ist zerrissen, und in den öffentlichen Erklärungen wird versucht, die Schuld für dieses, meiner An- sicht nach total unbefriedigende Ergebnis für den Ort Rangsdorf dem Meinungsgegner in die Schuhe zu schieben. Diese Tatsache und die Art und Weise wie man sich in der Konfliktbewältigung in den letzten Wochen immer wieder öffentlich äußerte und sich letztlich nunmehr mit den Worten "Bürgermeister ... die Brücken seitens der Gemeindevertreter sind abgebrochen ... ; Interessengruppe, ... ausschlaggebender Grund sind die Unbeweglichkeit, Unzuverlässigkeit und das Desinteresse der Gemeindeführung und des Parlaments ..." auseinander dividierte, empfinde ich in vielerlei Hinsicht unnötig und mit Verlaub vielleicht sogar unreif.
Aus Sicht der Interessengemeinschaft denkmalgeschütztes Bücker-Gelände werfe ich nicht alles über den Haufen, wo doch zuvor in zahlreichen Presseveröffentlichungen auf die Bücker-Historie und die mögliche Wiederbelebung des Areals hingewiesen wurde und letztlich der Schauflug, Besichtigung zweier Bücker-Flugzeuge viele Begeisterte der Fliegerei in ihren Bann zogen. Wer sich bereits nachweislich in seiner Ideenverwirklichung über viele Monate standhaft gezeigt hat, sollte nun, vorausgesetzt es geht um ein integeres Vorhaben, nicht einknicken und beleidigt davon ziehen: Bücker-Flugzeugbau gehörte nun einmal zu Rangsdorf und sollte auch hier in einer Art, über die man sich sach- und fachkundig beraten kann, einen Fortgang erfahren. An dieser Stelle vielleicht ein Hinweis: Kapazitäten eines modernen Triebwerkbaus arbeiten unweit vom Amt Rangsdorf entfernt und stünden sicherlich, auch was die Lärmproblematik angeht, zu Konsultationen bereit. Vielleicht sollte sich auch Doris Reiff von der Bürgerinitiative "Für Rangsdorf ohne Flugplatz", bevor sie auf die Suche nach Investoren für die entsprechende Konversionsfläche geht, etwas Zeit für eine sachkundige Information über die Lärmentwicklung moderner Triebwerke nehmen.
Noch viel schwieriger sind für mich allerdings die Einstellung und schließlich der Entschluss unseres Bürgermeisters Peter Gleich mit seinen Gemeindevertretern nachvollziehbar. Trotz aller Wenn und Aber, die sicherlich in der einen oder anderen Form zum Gesamtvorhaben bestanden haben und verständlicherweise in der heutigen Zeit viele Risiken eines solchen Vorhabens nicht sofort erkennbar sind, wären aufgrund der bisher sehr bescheidenen Entwicklung des Ortes Rangsdorf nach der Wende aus meiner Sicht mehr Atem und Beharrlichkeit in der Konfliktbewältigung notwendig gewesen.
Bereits vor einem Jahr, als die beiden Bücker-Flugzeuge unter dem Applaus der Schaulustigen auf dem ehemaligen Flugplatz Rangsdorf landeten und im weiteren Verlauf der Veranstaltung erste vorsichtige Absichtserklärungen von einzelnen Vertretern der Interessengemeinschaft abgegeben wurden, war klar, in welche Richtung es gehen würde. Von dieser ersten Verlautbarung an hatten die Gemeindevertreter also fast ein Jahr Zeit, sich unabhängig von den seitens der Interessengemeinschaft einzureichenden Unterlagen, Konzepte auf diese Entwicklung einzustimmen und bei Notwendigkeit sich auch sach- und fachkundig beraten zu lassen.
Statt als Gemeindevertretung selbst, im Interesse des Ortes Rangsdorf und seiner Entwicklung zu einem allseitig ausgerichteten Standort, mit einer konstruktiven Haltung zum Vorhaben in die Offensive zu gehen, hat man in der Endphase des Konflikts zugesehen, wie sich Protestgruppen für das Für und Wider bildeten, zugehört, als das Anliegen unnötigerweise zum Karnevalsthema wurde und schließlich ein spontanes Ende fand, das aus meiner Sicht für alle unrühmlich ist.
Vielleicht ist es aber den Beteiligten doch noch einmal möglich, losgelöst von allem negativen Einfluss der in den Konflikt hinein getragenen Hysterie, in welcher Form und durch wen auch immer, sich zusammenzusetzen, die Agitationsphase abzuschließen und in eine ehrliche konstruktive Problembewältigung zu gehen. Welche Entscheidung dann auch immer fallen würde, sie wäre wenigstens kein Emotionsprodukt mehr.
Jürgen Vehlow, Rangsdorf zurück

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