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Märkische Allgemeine Zeitung vom 23. Juni 2004

Terrasse mit Flugplatz–Blick
Teil 9 der Dokumentation "20. Juli - Das Attentat"

JÜRGEN LESKIEN

RANGSDORF: Südlich von Berlin war Rangsdorf schon immer ein geschätzter Wohnort, nicht nur für die ruhesuchenden Hauptstädter. Der sympathische Fleck zwischen See und Wald wurde auch von Militärs bevorzugt, vor allem wenn sie im nahen Zossen/ Wünsdorf ihrem Dienst nachgingen. Im Herbst 1941 zog Oberst Georg Alexander Hansen von Mahlow nach Rangsdorf, in das Landhaus Grenzweg 1.

Von Rangsdorf waren es nur 20 Autominuten bis zu den Kommandozentralen in den Maybach-Anlagen, im Bunker Zeppelin. Dort im Militärareal von Zossen/Wünsdorf arbeitete Hansen von Juli 1943 an im Amt Abwehr/Ausland des Oberkommandos der Wehrmacht. Hansen, Jahrgang 1904, gehörte zu jener Gruppe von Abwehr-Offizieren, die ähnlich wie der Chef dieses Amtes, Admiral Wilhelm Canaris, dachten: Deutschland ist nur zu retten, wenn Hitler die Macht entrissen wird. Notfalls mit Gewalt. Im Landhaus am Grenzweg war neben anderen gleichgesinnten Offizieren auch häufig Admiral Canaris zu Gast. 1944 stieß der ungarische Militärattaché General Homlock dazu, um über Wege aus dem "nationalen Dilemma" zu beraten. Als Hansen dann im Februar 1944 den Platz von Canaris einnahm, der Admiral war bei Hitler in Ungnade gefallen, war er für Stauffenberg von besonderer Bedeutung. So nahm Hansen am 16. Juli 1944 an der letzten Beratung der Stauffenberg-Gruppe in der Berliner Tristanstraße teil. Sie verständigten sich über die Ursachen des am Vortag fehlgeschlagenen Attentatsversuches auf Hitler.
Von der schmalen Südterrasse seines Rangsdorfer Hauses konnte Hansen die startenden Flugzeuge des Rangsdorfer Flugplatzes sehen. Auf diesem für die Olympischen Spiele 1936 angelegten Rasenplatz hatte Beate Köstlin beim Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse das Fliegen gelernt. Später, als Hauptmann der Luftwaffe im Überführungsgeschwader Mitte, flog Beate Uhse bis Frühjahr 1945 vor allem Jagdflugzeuge von Stendal oder Jüterbog an die Ostfront.

Am Rande des Flugfeldes ließ der berühmte Konstrukteur Carl Clemens Bücker Flugzeuge bauen, Maschinen für den Flugsport zunächst, dann vor allem für die Luftwaffe. In den letzten Kriegsjahren arbeiteten in der Bückerflugzeugbau GmbH 200 Beschäftigte auch am Bau der Flügelbombe Hs 293, die in der Henschel Flugzeugbau AG Berlin-Schönefeld komplettiert wurde.

In Rangsdorf war die Kurierstaffel des Oberkommandierenden des Heeres, später Flugzeugverbindungsgruppe des OKH, stationiert. Im Bestand der drei Einheiten flogen der Fiesler Storch, das einsti-

ge Schnellverkehrsflugzeug He111, die dreimotorige Ju 52 und die Si-204, ein zweimotoriger Typ. Für Verbindungsflüge von den Kommandozentralen in Berlin und Zossen/Wünsdorf zu den Heeresgruppen an der Front und den Führerhauptquartieren war Rangsdorf bis zum Kriegsende eine wichtige Luftwaffenbasis.

Von 1945 bis 1994 wurde das Flugplatzgelände durch Nachrichten- und Hubschraubere Einheiten der sowjetischen, später der russischen Streitkräfte genutzt. Heute liegt das Flugfeld brach. Die Gebäude der einstigen Bückerflugzeugwerke und das ehemalige Clubhaus des Deutschen Aeroclubs stehen unter Denkmalschutz. Der Förderverein Bückermuseum Rangsdorf unterhält nahe dem Seebadkasino am Rangsdorfer See ein sehenswertes Museum, das gegenwärtig mit einer kleinen Ausstellung auch an den Widerstand gegen Hitler in Rangsdorf erinnert.

Die komplette Dokumentation der "20. Juli - Das Attentat" kann hier nachgelesen werden.

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