INDEX
PRESSE
MUSEUM
GESCHICHTE
MODELLBAU
   

Märkische Allgemeine Zeitung vom 25. Oktober 2001

Zum Beitrag "Zwei ungleiche Partner", MAZ vom 15. Oktober 2001/ Rangsdorf und Groß Machnow
Ein Ende mit Schrecken wäre die bessere Variante

Wenn unser Bürgermeister öffentlich bedauert, dass seine Vorgänger die Chancen für Rangsdorf nicht erkannt haben, frag ich mich nur, warum heute so wenig für das Industriedenkmal Bücker und das noch in Rangsdorf ansässige Gewerbe getan wird. Hat nicht gerade unser Bürgermeister alles verhindert, damit es nicht zu einer Neubelebung mit Gewerbe historischer Art auf dem Bücker-Gelände kommt? Alle Vorhaben des Bückervereins mit seinen Investoren die historische Flugzeuge bauen, Fahrzeuge restaurieren und ein Museum einrichten wollen, wurden verschleppt und nicht befürwortet. Und nun erzählt uns das Oberhaupt der Parlamentarier, weitere finanzstarke Investoren wollten sich auf dem Bücker-Gelände, welches Rangsdorf übrigens nicht gehört, ansiedeln und waren vom Gelände begeistert. Aber da das Bücker-Werk unter Denkmalschutz steht, seien sie alle wieder abgesprungen.
Dass sich der Bürgermeister nicht gern an seine Vergangenheit erinnert, ist bekannt, aber Rangsdorfs Geschichte sollte ihm nicht fremd sein. Oder ist ihm entgangen, dass Rangsdorf zusammen mit der Denkmalschutzbehörde 1997 gegen das Land Brandenburg klagte, um das Bücker-Werk und den ehemaligen Flugplatz unter Denkmalschutz stellen zu lassen und den Prozess gewann? Jetzt aber muss der Denkmalschutz als Hemmschuh für die Entwicklung auf diesem Gelände herhalten. Werden wir vom Bürgermeister scheibchenweise darauf vorbereitet, das Erbe Rangsdorfs aufzugeben und das störende historische Ensemble platt machen zu lassen? Dann könnte er seiner Gewobag neue Flächen für Wohnungsbau bereitstellen und dafür wieder mal schnell den Flächennutzungsplan ändern lassen. Die Objekte, die von der Gewobag bisher in Rangsdorf saniert wurden, sollten lobend erwähnt werden, aber nun geht es um den ganz großen Kuchen.
Mit Fördermitteln werden die alten Kasernen der russischen Streitkräfte abgerissen, wiederum mit Fördermitteln hunderte von Einfamilienhäusern neu gebaut, um diese dann mit riesigen Gewinnen zu verkaufen. Dabei werden die Grenzen des denkmalgeschützten Flugplatzes missachtet; und es wird weit über die bereits heute bebauten Flächen, hinein in das Landschaftsschutzgebiet, geplant.
Am südlichen und östlichen Rand des Flugplatzes möchte eine Baumschule Bäume bis zu einer Höhe von 3,5 Metern aufziehen. Der ideale Schallschutz für das neue Wohngebiet, wenn es sich schleichend bis zur Bahnlinie ausdehnen sollte. Vom ehemaligen Flugplatz würde nicht viel übrig bleiben, Rangsdorf wird da- von profitieren. Mit Sicherheit gibt es wieder eine Spende von der Gewobag für die Rangsdorfer Bibliothek. Die Denkmalschutzbehörde ist bisher nicht zu diesen Plänen befragt worden. Beim derzeitigen Verwalter der Liegenschaft aber ist man vom überragenden Engagement unseres Bürgermeisters für die Wohnungsbauinvestoren überrascht. Den Gewerbetreibenden unseres Ortes indes wird nicht der rote Teppich ausgerollt. Die Fahrzeugrestaurierung Rosenow platzt dank prestigeträchtiger Aufträge aus allen Nähten. Das dürfte dem Bürgermeister aber unbekannt sein. Denn mit regelmäßiger Arroganz werden die Einladungen zu festlichen Fahrzeugauslieferungen von ihm weder wahrgenommen, noch dankend abgelehnt.
Einige Worte des Gemeindeoberhauptes an die Direktoren von Automobilmuseen deutscher Fahrzeugkonzerne hätten Rangsdorf genauso wenig geschadet wie eine gebührende Begrüßung der Bücker-Piloten, die anlässlich des Tages des offenen Denkmals im September in Rangsdorf landeten. Die Fahrzeugrestaurierung wird nun den Amtsbereich wegen Untätigkeit der Verwaltung verlassen müssen. Eine seit Anfang April gestellte Bauvoranfrage für ein Grundstück wurde bisher nicht beantwortet, weil diese unter anderem über drei Monate in Rangsdorfer Schubladen verstaubte. Hier macht sich das Fehlen einer langfristigen, durchdachten und straffen Planung, wie wir es von Groß Machnow lernen können, bemerkbar.
Denn nicht nur, wie man uns glaubhaft machen möchte, der Wohnungsbau bestimmt das Leben und Wohl einer Gemeinde. Rangsdorfer Politiker, die schon seit Jahren im Parlament vertreten sind, sollten ihre politische Erfahrung nutzen und sich zu dieser Thematik profilieren. Aber stattdessen wurden sie in der Vergangenheit vom Bürgermeister öffentlich bloßgestellt, mundtot gemacht, verleumdet und in ihrer Arbeit beeinflusst. Hier stellt sich sowieso die Frage, was ist los in Rangsdorfs Parlament? Innerhalb eines halben Jahres verlässt der Bürgermeister seine Fraktion, wird ein stellvertretender Bürgermeister seinen Fraktionsvorsitz los und ein weiterer stellvertretender Bürgermeister tritt gleich aus Partei und Fraktion aus. Von wem werden wir eigentlich regiert? Sind diese Herren frei in ihren Entscheidungen? Oder lassen des Bürgermeisters Alleingänge anderes vermuten? Arbeitet man im Parlament noch für das Wohl unserer Bürger? Sollte man in dieser Angelegenheit nicht Deutschlands Hauptstadt folgen und durch Neuwahlen den Filz und Mief aus Rangsdorfs Parlament verdammen?
Dass sich der Bürgermeister keine zweite Amtszeit gönnen wird, pfeifen die Spatzen vom Dach. Vielleicht folgt er dem Beispiel einiger seiner Amtsvorgänger und verlässt Rangsdorf, um im warmen Süden die "Früchte" seiner Amtszeit zu genießen. Um die weitere Entwicklung nicht aufzuhalten, sollten er und zwei seiner Stellvertreter ihre Tätigkeit für unseren Ort sofort beenden. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Dass in Rangsdorf seit über einem Jahrzehnt Fehler gemacht werden, ist auch außerhalb der Gemeindegrenzen aufgefallen und wurde vom Chef der Wirtschaftsförderung unseres Kreises auf der von der FDP organisierten Zusammenkunft in unserem Ort deutlich dargestellt. Der Bürgermeister von Groß Machnow erklärte, wie seine Gemeinde den wirtschaftlichen Aufschwung geschafft hat, was sich in Rangsdorf ändern muss. Von Rangsdorfs Bürgermeister dagegen wurden wir über seine Unschuld an vergangenen Versäumnissen aufgeklärt und erfuhren endlich, was auch der letzte Rangsdorfer Bürger bereits ahnte, dass der Grundwasserspiegel trotz neuer, teurer Gutachten nicht weiter sinkt und deshalb die Bahnlinie zukünftig doch überquert werden müsse. Welche Neuigkeiten!
Bleibt zu hoffen, dass beide Orte künftig ein neues Amt bilden. Dann ist das große Rangsdorf zwar immer noch abhängig von einer wohlhabenden kleinen Gemeinde, liegt dem Land aber nicht weiterhin nur auf der Tasche. Und es ist auch richtig, dass Groß Machnow mitentscheiden möchte, was mit seinen Geldern in Rangsdorf passiert. Denn während Rangsdorf seinen Vereinen ersatzlos Räumlichkeiten für die Jugendarbeit kündigt, werden in der Nachbargemeinde Freizeiteinrichtungen vom Feinsten gebaut. Bekanntlich sind Investitionen in die Jugend Investitionen für die Zukunft. Aber da hält es Rangsdorf wie mit den Investitionen in das Gewerbe.
Peter Rosenow, Rangsdorf zurück

 
  nach oben     HOME KONTAKT SERVICE IMPRESSUM GÄSTEBUCH