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Märkische Allgemeine Zeitung vom 31. Mai 2002

Von Rangsdorf in die ganze Welt
Die Fliegerlegende Elly Beinhorn feierte gestern ihren 95. Geburtstag

Rangsdorf • Am 30. Mai 1907 wurde sie in Hannover geboren, wuchs in einer Kaufmannsfamilie auf und hatte zunächst keine Beziehung zur Luftfahrt. Das änderte sich, als Elly Beinhorn mit 21 Jahren einen Vortrag von Hermann Köhl hörte, der am 12./13. April 1928 mit einer Junkers W 34 gemeinsam mit J. Fitzmaurice und E. G. Freiherr von Hünefeld erstmals den Nordatlantik von Ost nach West überflogen hatte. Der Bericht des Ozeanfliegers weckte in den Wunsch, das Fliegen zu erlernen, obwohl viele ihr davon abrieten, weil das für Frauen keine Berufsperspektive hätte. Sie ließ sich aber nicht beirren, erwarb noch 1928 den Flugschein, steckte alles Ersparte in den Kauf einer Klemm und flog damit von einem Flugtag zum anderen.
Ihr Ziel aber waren Langstreckenflüge. Mit 23 Jahren startete sie am 4. Januar 1931 zu einem solchen Flug, der sie bis nach Guinea in Afrika führte. Ein Motorschaden beim Rückflug führte bei der Notlandung in der Sahara zu einem Bruch der Maschine. Elly Beinhorn blieb unverletzt, tauchte nach einigen Tagen wieder auf - das alles machte sie gewissermaßen über Nacht berühmt.
Im Dezember 1931 folgte eine Flug-Schiffsreise rund um die Erde, zunächst per Flugzeug von Berlin über Ungarn, die Türkei und Indien bis nach Australien. Per Schiff ging es über den stillen Ozean nach Chile, um per Flugzeug dann bis Rio de Janeiro zu fliegen, per Schiff bis Bremen zu gelangen und von dort wieder im Flugzeug Berlin, den Ausgangspunkt, zu erreichen.
Sieben Monate voller Abenteuer lagen hinter der jungen Frau, als sie 1932 ihre Weltumkreisung mit dem Sportflugzeug beendete. Es blieb nicht der letzte Fernflug.
Im Apri11933 startete sie in Staaken mit einem Heinkel-Eindecker zu einem Afrikaflug, der sie über die Türkei und Ägypten bis nach Südafrika und auf dem Rückflug an der afrikanischen Westküste entlang führte.
Aufsehen erregte 1935 ein Flug: Mit dem Sport- und Reiseflugzeug Messerschmidt Me 108, dem sie den Namen" Taifun" gab, flog sie an einem Tag die Strecke Deutschland- Asien- Deutschland. Ein Jahr später bewältigte sie sogar drei Erdteile an einem Tag, von Asien (Damaskus) über Afrika (Kairo) nach Europa (Athen-Berlin).
Zwischen ihren Flügen schrieb sie Zeitungsberichte und mehrere Bücher über ihre Erlebnisse. Im Herbst 1935 hatte sie den Auto-Union-Rennfahrer Bemd Rosemeyer kennen gelernt. Am 13. Juli 1936 gaben sie sich einander das Ja-Wort. Der Rennfahrer fand nun auch am Fliegen Geschmack, erwarb wenige Monate später an der Rangsdorfer Sportfliegerschule den A-Schein und danach auch den B-Schein. In dieser Zeit war die Me 108 "Taifun" von Elly Beinhorn bereits in Rangsdorf stationiert, die sowohl sie als auch ihr Mann dann flogen.
Bemd Rosemeyer ließ sich von Bücker auch mal eine Bü 131 "Jungmann" geben, wenn er schnell zu einem Training oder Rennen musste. Er selbst hatte sich noch eine Klemm Kl 35 bestellt, die zu fliegen ihm aber versagt blieb, da er am 28. Januar 1938 bei einem Rekordversuch auf der Autobahn bei Frankfurt am Main tödlich verunglückte.
Elly Beinhorn war auch in den Jahren danach eine gefeierte und gefragte Fliegerin, die auch Vorträge hielt. So berichtete sie mir bei einem Telefongespräch vor einigen Jahren, wie sie mit ihrem kleinen Sohn zu einem Vortrag nach Dänemark flog. Unterwegs verspürte der Sohn ein dringendes Bedürfnis. Um ihn abzulenken, wies sie auf die Wolken und ließ ihn phantasievolle Gebilde darin erkennen. Nach der Landung war ihre erste Frage die nach der nächsten Toilette.
Nach dem Krieg war Elly Beinhorn als Reporterin und Journalistin tätig, unternahm aber erneut Auslandsflüge und hielt zahlreiche Vorträge über die Fliegerei.
Sie verbringt heute in München ihren Lebensabend. Wünschen wir ihr zum Geburtstag nachträglich alles Gute für weitere Jahre.
Siegfried Wietstruck Foto1 / Foto2 / zurück

 
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